SOSIAS tritt mit einer Laterne auf:
Heda! Wer schleicht da?
Holla! - Wenn der Tag
Anbräche, wär mirs lieb; die Nacht ist - Was?
Gut
Freund, ihr Herrn! Wir gehen eine Straße -
Ihr habt den ehrlichsten Gesell'n
getroffen,
Bei meiner Treu, auf den die Sonne scheint -
Vielmehr der Mond
jetzt, wollt ich sagen -
Spitzbuben sinds entweder, feige Schufte,
Die
nicht das Herz, mich anzugreifen, haben:
Oder der Wind hat durch das Laub
gerasselt.
Jedweder Schall hier heult in dem Gebirge. -
Vorsichtig!
Langsam! - Aber wenn ich jetzt
Nicht bald mit meinem Hut an Theben
stoße,
So will ich in den finstern Orkus fahren.
Ei, hols der Henker! ob
ich mutig bin,
Ein Mann von Herz; das hätte mein Gebieter
Auf anderm Wege
auch erproben können.
Ruhm krönt ihn, spricht die ganze Welt, und
Ehre,
Doch in der Mitternacht mich fortzuschicken,
Ist nicht viel besser,
als ein schlechter Streich.
Ein wenig Rücksicht wär, und Nächstenliebe,
So
lieb mir, als der Keil von Tugenden,
Mit welchem er des Feindes Reihen
sprengt.
Sosias, sprach er, rüste dich mein Diener,
Du sollst in Theben
meinen Sieg verkünden
Und meine zärtliche Gebieterin
Von meiner nahen
Ankunft unterrichten.
Doch hätte das nicht Zeit gehabt bis morgen,
Will
ich ein Pferd sein, ein gesatteltes!
Doch sieh! Da zeigt sich, denk ich,
unser Haus!
Triumph, du bist nunmehr am Ziel, Sosias,
Und allen Feinden
soll vergeben sein.
Jetzt, Freund, mußt du an deinen Auftrag denken;
Man
wird dich feierlich zur Fürstin führen,
Alkmen', und den Bericht bist du ihr
dann,
Vollständig und mit Rednerkunst gesetzt
Des Treffens schuldig, das
Amphitryon
Siegreich fürs Vaterland geschlagen hat.
- Doch wie zum Teufel
mach ich das, da ich
Dabei nicht war? Verwünscht. Ich wollt: ich
hätte
Zuweilen aus dem Zelt geguckt,
Als beide Heer im Handgemenge
waren.
Ei was! Vom Hauen sprech ich dreist und Schießen,
Und werde
schlechter nicht bestehn, als andre,
Die auch den Pfeil noch pfeifen nicht
gehört. -
Doch wär es gut, wenn du die Rolle übtest?
Gut! Gut bemerkt,
Sosias! Prüfe dich.
Hier soll der Audienzsaal sein, und diese
Latern
Alkmene, die mich auf dem Thron erwartet.
Er setzt die Laterne auf den
Boden.
Durchlauchtigste! mich schickt Amphitryon,
Mein hoher Herr und
Euer edler Gatte,
Von seinem Siege über die Athener
Die frohe Zeitung Euch
zu überbringen.
- Ein guter Anfang! - "Ach, wahrhaftig, liebster
Sosias,
meine Freude mäßg' ich nicht,
Da ich dich wiedersehe." - Diese
Güte,
Vortreffliche, beschämt mich, wenn sie stolz gleich
Gewiß jedweden
andern machen würde.
- Sieh! das ist auch nicht übel! - "Und dem
teuren
Geliebten meiner Seel Amphitryon,
Wie gehts ihm?" - Gnädge Frau,
das faß ich kurz:
Wie einem Mann von Herzen auf dem Feld des Ruhms!
- Ein
Blitzkerl! Seht die Suade! - "Wann denn kommt er?"
Gewiß nicht später, als
sein Amt verstattet,
Wenn gleich vielleicht so früh nicht, als er
wünscht.
-Potz, alle Welt! - "Und hat er sonst dir nichts
Für mich gesagt,
Sosias?" - Er sagt wenig,
Tut viel, und es erbebt die Welt vor seinem
Namen.
- Daß mich die Pest! Wo kömmt der Witz mir her?
"Sie weichen also,
sagst du, die Athener?"
- Sie weichen, tot ist Labdakus, ihr
Führer,
Erstürmt Pharissa, und wo Berge sind,
Da hallen sie von unserm
Siegsgeschrei. -
"O teuerster Sosias! Sieh, das mußt du
Umständlich mir,
auf jeden Zug, erzählen."
- Ich bin zu Euern Diensten, gnädge Frau.
Denn
in der Tat kann ich von diesem Siege
Vollständge Auskunft, schmeichl' ich
mir, erteilen:
Stellt Euch, wenn Ihr die Güte haben wollt,
Auf dieser
Seite hier - Er bezeichnet die Örter auf seiner Hand
Pharissa
vor
- Was eine Stadt ist, wie Ihr wissen werdet,
So groß im Umfang,
praeter propter,
Um nicht zu übertreiben, wenn nicht größer,
Als Theben.
Hier geht der Fluß. Die Unsrigen
In Schlachtordnung auf einem Hügel
hier;
Und dort im Tale haufenweis der Feind.
Nachdem er ein Gelübd zum
Himmel jetzt gesendet,
Daß Euch der Wolkenkreis erzitterte,
Stürzt, die
Befehle treffend rings gegeben,
Er gleich den Strömen brausend auf uns
ein.
Wir aber, minder tapfer nicht, wir zeigten
Den Rückweg ihm, - und Ihr
sollt gleich sehn, wie?
Zuerst begegnet' er dem Vortrab hier;
Der wich.
Dann stieß er auf die Bogenschützen dort;
Die zogen sich zurück. Jetzt dreist
gemacht, rückt er
Den Schleudrern auf den Leib; die räumten ihm das
Feld
Und als verwegen jetzt dem Hauptkorps er sich nahte,
Stürzt dies -
halt! Mit dem Hauptkorps ists nicht richtig.
Ich höre ein Geräusch dort, wie
mir deucht.
MERKUR für sich: Wenn ich den ungerufnen Schlingel
dort
Beizeiten nicht von diesem Haus entferne,
So steht, beim Styx, das
Glück mir auf dem Spiel,
Das in Alkmenens Armen zu genießen,
Heut in der
Truggestalt Amphitryons
Zeus der Olympische, zur Erde stieg.
SOSIAS ohne den Merkur zu sehn:
Es ist zwar nichts und meine
Furcht verschwindet,
Doch um den Abenteuern auszuweichen,
Will ich mich
vollends jetzt zu Hause machen,
Und meines Auftrags mich entledigen.
MERKUR für sich:
Du überwindest den Merkur, Freund,
oder
Dich werd ich davon abhzuhalten wissen.
SOSIAS: Doch diese Nacht ist von endloser Länge.
Wenn ich fünf
Stunden unterwegs nicht bin,
Fünf Stunden nach der Sonnenuhr von
Theben,
Will ich stückweise sie vom Turme schießen.
Entweder hat in
Trunkenheit des Siegs
Mein Herr den Abend für den Morgen angesehn,
Oder
der lockre Phöbus schlummert noch,
Weil er zu tief ins Fläschchen gestern
guckte.
MERKUR: Mit welcher Unehrbietigkeit der Schuft
Dort von den Göttern
spricht. Geduld ein wenig;
Hier dieser Arm bald wird Respekt ihm lehren.
SOSIAS erblickt den Merkur:
Ach bei den Göttern der Nacht!
Ich bin verloren.
Da schleicht ein Strauchdieb um das Haus, den ich
Früh
oder spät am Galgen sehen werde.
- Dreist muß ich tun, und keck und
zuversichtlich.
Er pfeift.
MERKUR laut: Wer denn ist jener Tölpel dort, der sich
Die
Freiheit nimmt, als wär er hier zu Hause,
Mit Pfeifen mir die Ohren
vollzuleiern?
Soll hier mein Stock vielleicht ihm dazu tanzen?
SOSIAS: - Ein Freund nicht scheint er der Musik zu sein.
MERKUR: Seit der vergangnen Woche fand ich keinen,
Dem ich die
Knochen hätte brechen können.
Mein Arm wird steif, empfind ich, in der
Ruhe,
Und einen Buckel von des deinen Breite,
Ihn such ich just, mich
wieder einzuüben.
SOSIAS: Wer, Teufel, hat den Kerl mir dort geboren?
Von
Todesschrecken fühl ich mich ergriffen,
Die mir den Atem stocken
machen.
Hätt ihn die Hölle ausgeworfen,
Es könnt entgeisternder mir nicht
sein Anblick sein.
- Jedoch vielleicht gehts dem Hanswurst wie mir,
Und er
versucht den Eisenfresser bloß,
Um mich ins Bockshorn schüchternd
einzujagen.
Halt, Kauz, das kann ich auch. Und überdies,
Ich bin allein,
er auch; zwei Fäuste hab ich,
Doch er nicht mehr; und will das Glück nicht
wohl mir,
Bleibt mir ein sichrer Rückzug dort - Marsch also!
MERKUR vertritt ihm den Weg:
Halt dort! Wer geht dort?
SOSIAS: Ich.
MERKUR: Was für ein Ich?
SOSIAS: Meins mit Verlaub. Und meines, denk ich, geht
Hier
unverzollt gleich andern. Mut Sosias!
MERKUR: Halt! mit so leichter Zech entkommst du nicht.
Von welchem
Stand bist du?
SOSIAS: Von welchem Stande?
Von einem auf zwei Füßen, wie Ihr
seht.
MERKUR: Ob Herr du bist, ob Diener, will ich wissen?
SOSIAS: Nachdem Ihr so mich, oder so betrachtet,
Bin ich ein Herr,
bin ich ein Dienersmann.
MERKUR: Gut. Du mißfällst mir.
SOSIAS: Ei das tut mir leid.
MERKUR: Mit einem Wort, Verräter, will ich wissen,
Nichtswürdger
Gassentreter, Eckenwächter,
Wer du magst sein, woher du gehst, wohin,
Und
was du hier herum zu zaudern hast?
SOSIAS: Darauf kann ich Euch nichts zur Antwort geben
Als dies: ich
bin ein Mensch, dort komm ich her,
Da geh ich hin, und habe jetzt was
vor,
Das anfängt, Langeweile mir zu machen.
MERKUR: Ich seh dich witzig, und du bist im Zuge,
Mich kurzhin
abzufertigen. Mir aber kommt
Die Lust an, die Bekanntschaft
fortzusetzen,
Und die Verwicklung einzuleiten, werd ich
Mit dieser Hand
hier hinters Ohr dir schlagen.
SOSIAS: Mir ?
MERKUR: Dir, und hier bist dessen du gewiß.
Was wirst du nun darauf
beschließen.
SOSIAS: Wetter!
Ihr schlagt mir eine gute Faust, Gevatter.
MERKUR: Ein Hieb von mittlern Schrot. Zuweilen teff ich
Noch
besser.
SOSIAS: Wär ich auch so aufgelegt,
Wir würden schön uns in die
Haare kommen.
MERKUR: Das wär mir recht. Ich liebe solchen Umgang.
SOSIAS: Ich muß, jedoch, Geschäfts halb, mich empfehlen.
Er will
gehn.
MERKUR tritt ihm in den Weg:
Wohin?
SOSIAS: Was gehts dich an, zum Teufel?
MERKUR: Ich will wissen,
Sag ich dir, wo du hingehst?
SOSIAS: Jene Pforte
Will ich mir öffnen lassen. Laß mich gehn.
MERKUR: Wenn du die Unverschämtheit hast, dich jener
Schloßpforte
dort zu nähern, sieh, so rasselt
Ein Ungewitter auf dich ein von
Schlägen.
SOSIAS: Was? soll ich nicht nach Hause gehen dürfen?
MERKUR: Nach Hause? sag das noch einmal.
SOSIAS: Nun ja.
Nach Haus.
MERKUR: Du sagst von diesem Hause dich?
SOSIAS: Warum nicht? Ist es nicht Amphitryons Haus?
MERKUR: Ob dies Amphitryons Haus ist? Allerdings,
Halunk, ist dies
das Haus Amphitryons,
Das Schloß des ersten Feldherrn der Thebaner.
Doch
welch ein Schluß erfolgt? -
SOSIAS: Was für ein Schluß?
Daß ich hinein gehn werd. Ich bin sein
Diener.
MERKUR: Sein Die-?
SOSIAS: Sein Diener.
MERKUR: Du?
SOSIAS: Ich, ja.
MERKUR: Amphitryons Diener?
SOSIAS: Amphitryons Diener, des Thebanerfeldherrn.
MERKUR: - Dein Name ist?
SOSIAS: Sosias.
MERKUR: So-?
SOSIAS: S o s i a s.
MERKUR: Hör, dir zerschlag ich alle Knochen.
SOSIAS: Bist du
Bei Sinnen?
MERKUR: Wer gibt das Recht dir, Unverschämter,
Den Namen des Sosias
anzunehmen?
SOSIAS: Gegeben wird er mir, ich nehm ihn nicht.
Mag es mein Vater
dir verantworten.
MERKUR: Hat man von solcher Frechheit je gehört?
Du wagst mir
schamlos ins Gesicht zu sagen,
Daß du Sosias bist?
SOSIAS: Ja, allerdings.
Und das aus dem gerechten Grunde, weil
es
Die großen Götter wollen; weil es nicht
In meiner Macht steht, gegen
sie zu kämpfen,
Ein andrer sein zu wollen als ich bin;
Weil ich muß Ich,
Amphitryons Diener sein,
Wenn ich auch zehenmal Amphitryon,
Sein Vetter
lieber, oder Schwager wäre.
MERKUR: Nun wart! Ich will dich zu verwandeln suchen.
SOSIAS: Ihr Bürger! Ihr Thebaner! Mörder! Diebe!
MERKUR: Wie du Nichtswürdiger, du schreist noch?
SOSIAS: Was?
Ihr schlagt mich, und nicht schreien soll ich
dürfen?
MERKUR: Weißt du nicht, daß es Nacht ist, Schlafenszeit
Und daß in
diesem Schloß Alkmene hier,
Amphitryons Gemahlin, schläft?
SOSIAS: Hol Euch der Henker!
Ich muß den kürzern ziehen, weil Ihr
seht,
Daß mir zur Hand kein Prügel ist, wie Euch.
Doch Schläg erteilen,
ohne zu bekommen,
Das ist kein Heldenstück. Das sag ich Euch:
Schlecht ist
es, wenn man Mut zeigt gegen Leute,
Die das Geschick zwingt, ihren zu
verbergen.
MERKUR: Zur Sach also. Wer bist Du?
SOSIAS für sich: Wenn ich dem
Entkomme, will ich eine
Flasche Wein
Zur Hälfte opfernd auf die Erde schütten.
MERKUR: Bist du Sosias noch?
SOSIAS: Ach laß mich gehn.
Dein Stock kann machen, daß ich nicht
mehr bin;
Doch nicht, daß ich nicht I c h bin, weil ich bin.
Der einzge
Unterschied ist, daß ich mich
Sosias jetzo der geschlagne, fühle.
MERKUR: Hund, sieh, so mach ich kalt dich. Er droht.
SOSIAS: Laß! Laß!
Hör auf, mir zuzusetzen.
MERKUR: Eher nicht,
Als bis du aufhörst -
SOSIAS: Gut, ich höre auf.
Kein Wort entgegn' ich mehr, recht
sollst du haben,
Und allem, was du aufstellst, sag ich ja.
MERKUR: Bist du Sosias noch, Verräter?
SOSIAS: Ach!
Ich bin jetzt, was du willst. Befiehl, was ich
Soll
sein, dein Stock macht dich zum Herren meines Lebens.
MERKUR: Du sprachst, du hättest dich Sosias sonst genannt?
SOSIAS: Wahr ists, daß ich bis diesen Augenblick gewähnt,
Die Sache
hätte ihre Richtigkeit.
Doch das Gewicht hat deiner Gründe mich
Belehrt:
ich sehe jetzt, daß ich mich irrte.
MERKUR: Ich bins, der sich Sosias nennt.
SOSIAS: Sosias -?
Du -?
MERKUR: Ja, Sosias. Und wer Glossen macht,
Hat sich vor diesem
Stock in acht zu nehmen.
SOSIAS für sich: Ihr ewgen Götter dort! So muß ich auf
Mich
selbst Verzicht jetzt leisten, mir von einem
Betrüger meinen Namen stehlen
lassen?
MERKUR: Du murmelst in die Zähne, wie ich höre?
SOSIAS: Nichts, was dir in der Tat zu nahe träte, ;
Doch bei den
Göttern allen Griechenlands
Beschwör ich dich, die dich und mich
regieren,
Vergönne mir, auf einen Augenblick,
Daß ich dir offenherzge
Sprache führe.
MERKUR: Sprich.
SOSIAS: Doch dein Stock wird stumme Rolle spielen?
Nicht von der
Unterhaltung sein? Versprich mir,
Wir schließen Waffenstillstand.
MERKUR: Gut, es sei.
Den Pukt bewillg' ich.
SOSIAS: Nun so sage mir,
Wie kommt der unerhörte Einfall
dir,
Mir meinen Namen schamlos wegzugaunern?
Wär es ein Mantel, wärs mein
Abendessen;
Jedoch ein Nam! Kannst du dich darin kleiden?
Ihn essen?
trinken? oder ihn versetzen?
Was also nützet dieser Diebstahl dir?
MERKUR: Wie? Du - du unterstehst dich?
SOSIAS: Halt! halt! sag ich.
Wir schlossen Waffenstillstand.
MERKUR: Unverschämter!
Nichtswürdiger!
SOSIAS: Dawider hab ich nichts.
Schimpfwörter mag ich leiden, dabei
kann ein
Gespräch bestehen.
MERKUR: Du nennst dich Sosias?
SOSIAS: Ja, ich gestehs, ein unverbürgtes
Gerücht hat mir -
MERKUR: Genug. Den Waffenstillstand
Brech ich, und dieses Wort hier
nehm ich wieder.
SOSIAS: Fahr in die Höll! Ich kann mich nicht vernichten, ;
Verwandeln nicht, aus meiner Haut nicht fahren,
Und meine Haut dir um die
Schultern hängen.
Ward, seit die Welt steht, so etwas erlebt?
Träum ich
etwa? Hab ich zur Morgenstärkung
Heut mehr, als ich gewöhnlcih pfleg,
genossen?
Bin ich mich meiner völlig nicht bewußt?
Hat nicht Amphitryon
mich hergeschickt,
Der Fürstin seine Rückkehr anzumelden?
Soll ich ihr
nicht den Sieg, den er erfochten,
Und wie Pharissa überging,
beschreiben?
Bin ich soeben nicht hier angelangt?
Halt ich nicht die
Laterne? Fand ich dich
Vor dieses Hauses Tür herum nicht lungern,
Und als
ich mich der Pforte nähern wollte,
Nahmst du den Stock zur Hand nicht, und
zerbläutest
Auf das unmenschlichste den Rücken mir,
Mir ins Gesicht
behauptend, daß nicht ich,
Wohl aber du Amphitryons Diener seist.
Das
alles, fühl ich, leider, ist zu wahr nur;
Gefiels den Göttern doch, daß ich
besessen wäre!
MERKUR: Halunke, sieh, mein Zorn wird augenblicklich,
Wie Hagel
wieder auf dich niederregnen!
Was du gesagt hast, alles, Zug vor Zug,
Es
gilt von mir: die Prügel ausgenommen.
SOSIAS: Von dir? - Hier die Laterne, bei den Göttern,
Ist Zeuge mir
-
MERKUR: Du lügst, sag ich, Verräter.
Mich hat Amphitryon hieher
geschickt.
Mir gab der Feldherr der Thebaner gestern,
Da er vom Staub der
Mordschlacht noch bedeckt,
Dem Temp'l enttrat, wo er dem Mars
geopfert,
Gemeßnen Auftrag, seinen Sieg in Theben,
Und daß der Feinde
Führer Labdakus
Von seiner Hand gefallen, anzukündgen;
Denn ich bin, sag
ich dir, Sosias,
Sein Diener, Sohn des Davus, wackern Schäfers
Aus dieser
Gegend, Bruder Harpagons,
Der in der Fremde starb, Gemahl der Charis,
Die
mich mit ihren Launen wütend macht;
Sosias, der im Türmchen saß, und dem
man
Noch kürzlich funfzig auf den Hintern zählte,
Weil er zu weit die
Redlichkeit getrieben.
SOSIAS für sich: Da hat er recht! Und ohne daß man
selbst
Sosias ist, kann man von dem, was er
Zu wissen scheint, nicht
unterrichtet sein.
Man muß, mein Seel, ein bißchen an ihn glauben.
Zu dem,
da ich ihn jetzt ins Auge fasse,
Hat er Gestalt von mir und Wuchs und
Wesen
Und die spitzbübsche Miene, die mir eigen.
- Ich muß ihm ein paar
Fragen tun, die mich
Aufs Reine bringen. Laut: Von der Beute,
Die
in des Feindes Lager ward gefunden,
Sagst du mir wohl, wie sich
Amphitryon
Dabei bedacht, und was sein Anteil war?
MERKUR: Das Diadem ward ihm des Labdakus,
Das man im Zelt desselben
aufgefunden.
SOSIAS: Was nahm mit diesem Diadem man vor?
MERKUR: Man grub den Namenszug Amphitryons
Auf seine goldne Stirne
leuchtend ein.
SOSIAS: Vermutlich trägt ers selber jetzt -?
MERKUR: Alkmenen
Ist es bestimmt. Sie wird zum Angedenken
Des
Siegs den Schmuck um ihren Busen tragen.
SOSIAS: Und zugefertigt aus dem Lager wird
Ihr das Geschenk -?
MERKUR: In einem goldnen Kästchen,
Auf das Amphitryon sein Wappen
drückte.
SOSIAS für sich: Er weiß um alles. -Alle Teufel jetzt!
Ich
fang im Ernst an mir zu zweifeln an.
Durch seine Unverschämtheit ward er
schon
Und seinen Stock, Sosias, und jetzt wird er,
Das fehlte nur, es auch
aus Gründen noch.
Zwar wenn ich mich betaste, wollt ich schwören,
Daß
dieser Leib Sosias ist.
- Wie find ich nun aus diesem Labyrinth? -
Was ich
getan, da ich ganz einsam war,
Was niemand hat gesehn, kann niemand
wissen,
Falls er nicht wirklich Ich ist, so wie ich.
- Gut, diese Frage
wird mir Licht verschaffen.
Was gilts? Dies fängt ihn - nun wir werden
sehn.
Laut: Als beide Heer im Handgemenge waren,
Was machtest du,
sag an, in den Gezelten,
Wo du gewußt, geschickt dich hinzudrücken?
MERKUR: Von einem Schinken -
SOSIAS für sich: Hat den Kerl der Teufel -?
MERKUR: Den ich im Winkel des Gezeltes fand,
Schnitt ich ein
Kernstück mir, ein saftiges,
Und öffnete geschickt ein Flaschenfutter,
Um
für die Schlacht, die draußen ward gefochten,
Ein wenig Munterkeit mir zu
verschaffen.
SOSIAS für sich: Nun ist es gut. Nun wärs gleich viel, wenn
mich
Die Erde gleich von diesem Platz verschlänge,
Denn aus dem
Flaschenfutter trinkt man nicht,
Wenn man, wie ich, zufällig nicht im
Sacke
Den Schlüssel, der gepaßt, gefunden hätte.
Laut: Ich sehe,
alter Freund, nunmehr, daß du
Die ganze Portion Sosias bist,
Die man auf
dieser Erde brauchen kann.
Ein mehreres scheint überflüssig mir.
Fern sei
mir, den Zudringlichen zu spielen,
Und gern tret ich vor dir zurück. Nur habe
die
Gefälligkeit für mich, und sage mir,
Da ich Sosias nicht bin, w e r
ich bin?
Denn e t w a s, gibst du zu, muß ich doch sein.
MERKUR: Wenn ich nicht mehr Sosias werde sein
Sei dus, es ist mir
recht, ich willge drein.
Jedoch solang ichs bin, wagst du den Hals,
Wenn
dir der unverschämte Einfall kommt.
SOSIAS: Gut, gut. Mir fängt der Kopf zu schwirren an,
Ich sehe
jetzt, mein Seel, wie sichs verhält,
Wenn ichs auch gleich noch völlig nicht
begreife.
Jedoch - die Sache muß ein Ende nehmen;
Und das Gescheiteste,
zum Schluß zu kommen,
Ist, daß ich meiner Wege geh. - Leb wohl. ;
Er
geht dem Hause zu.
MERKUR stößt ihn zurück:
Wie, Galgenstrick! So muß ich alle
Knochen
Dir lähmen? Er schlägt ihn.
SOSIAS: Ihr gerechten Götter!
Wo bleibt mir euer Schutz? Mein
Rücken heilt
In Wochen nicht, wenn auch Amphitryon
Den Stock nicht rührt.
Wohlan! Ich meide denn
Den Teufelskerl, und geh zurück ins Lager,
So
finster diese Höllennacht auch glotzt. -
Das war mir eine rühmliche
Gesandtschaft!
Wie wird dein Herr, Sosias, dich empfangen? Ab.
MERKUR: Nun, endlich! Warum trolltest du nicht früher?
Du hättst
dir böse Risse sparen können. -
Denn daß ihn eines Gottes Arm
getroffen,
Die Ehre kümmert den Halunken nicht:
Ich traf ihn wie der beste
Büttel auch.
Nun, mag es sein. Gesündigt hat er gnug,
Verdient, wenn auch
nicht eben heut, die Prügel;
Er mag auf Abschlag sie empfangen haben.
-
Wenn mir der Schuft mit seinem Zeterschrei,
Als ob man ihn zum Braten
spießen wollte,
Nur nicht die Liebenden geweckt! - So wahr ich lebe,
Zeus
bricht schon auf. Er kommt, der Göttervater,
Und zärtlich gibt Alkmen', als
wär's ihr teurer
Gemahl Amphitryon, ihm das Geleit.
JUPITER: Laß, meine teuerste Alkmene, dort
Die Fackeln sich
entfernen. Zwar sie leuchten
Dem schönsten Reiz, der auf der Erde
blüht,
Und keiner der Olympier sah ihn schöner;
Jedoch - wie sag ich? Sie
verraten den,
Den dieser Reiz hierher gelockt, Geliebte,
Und besser wird
es ein Geheimnis bleiben,
Daß dein Amphitryon in Theben war,
Sie sind dem
Krieg geraubt, die Augenblicke,
Die ich der Liebe opfernd dargebracht;
Die
Welt könnt ihn mißdeuten, diesen Raub;
Und gern entbehrt ich andre Zeugen
seiner,
Als nur die eine, die ihn mir verdankt.
ALKMENE: Amphitryon! So willst du gehn? Ach, wie
So lästig ist so
vieler Ruhm, Geliebter!
Wie gern gäb ich das Diadem, das du
Erkämpft, für
einen Strauß von Veilchen hin,
Um eine niedre Hütte eingesammelt.
Was
brauchen wir, als nur uns selbst? Warum
Wird so viel Fremdes noch dir
aufgedrungen,
Dir eine Krone und der Feldherrnstab?
Zwar wenn das Volk dir
jauchzt, und sein Entzücken
In jedem großen Namen sich verschwendet,
Ist
der Gedanke süß, daß du mir angehörst;
Doch dieser flüchtge Reiz, kann er
vergelten,
Was ich empfinde, wenn im wilden Treffen
Der Pfeil auf diesen
teuern Busen zielt?
Wie öd ist, ohne dich, dies Haus! Wie träge,
Bist du
mir fern, der muntre Reihn der Stunden,
Wenn sie den Tag herauf mir führen
sollen!
Ach was das Vaterland mir alles raubt,
Das fühl ich, mein
Amphitryon, erst seit heute,
Da ich zwei kurze Stunden dich besaß.
JUPITER: Geliebte! Wie du mich entzückst! Doch eine
Besorgnis auch
erregst du mir, die ich,
So scherzhaft sie auch klingt, dir nennen muß.
Du
weißt, daß ein Gesetz der Ehe ist,
Und eine Pflicht, und daß, wer Liebe nicht
erwirbt,
Noch Liebe vor dem Richter fordern kann.
Sieh dies Gesetz, es
stört mein schönstes Glück.
D i r möcht ich, deinem Herzen,
Teuerste,
Jedwede Gunst verdanken, möchte gern
Nicht, daß du einer
Förmlichkeit dich fügtest,
Zu der du dich vielleicht verbunden wähnst.
Wie
leicht verscheuchst du diese kleinen Zweifel?
So öffne mir dein Innres denn,
und sprich,
Ob den Gemahl du heut, dem du verlobt bist,
Ob den Geliebten
du empfangen hast?
ALKMENE: Geliebter und Gemahl! Was sprichst du da?
Ist es dies
heilige Verhältnis nicht,
Das mich allein, dich zu empfahn,
berechtigt?
Wie kann dich ein Gesetz der Welt nur quälen,
Das weit
entfernt, beschränkend hier zu sein,
Vielmehr den kühnsten Wünschen, die sich
regen,
Jedwede Schranke glücklich niederreißt?
JUPITER: Was ich dir fühle, teuerste Alkmene,
Das überflügelt,
sieh, um Sonnenferne,
Was ein Gemahl dir schuldig ist. Entwöhne,
Geliebte,
von dem Gatten dich,
Und unterscheide zwischen mir und ihm.
Sie schmerzt
mich, diese schmähliche Verwechslung,
Und der Gedanke ist mir
unerträglich,
Daß du den Laffen bloß empfangen hast,
Der kalt ein Recht
auf dich zu haben wähnt.
I c h möchte dir, mein süßes Licht,
Dies Wesen
eigner Art erschienen sein,
Besieger dein, weil über dich zu siegen,
Die
Kunst, die großen Götter mich gelehrt.
Wozu den eitlen Feldherrn der
Thebaner
Einmischen hier, der für ein großes Haus
Jüngst eine reiche
Fürstentochter freite?
Was sagst du? Sieh, ich möchte deine Tugend
Ihm,
jenem öffentlichen Gecken, lassen,
Und mir, mir deine Liebe vorbehalten.
ALKMENE: Amphitryon! Du scherzest. Wenn das Volk hier
Auf den
Amphitryon dich schmähen hörte,
Es müßte doch dich einen andern
wähnen,
Ich weiß nicht wen? Nicht, daß es mir entschlüpft
In dieser
heitern Nacht, wie, vor dem Gatten,
Oft der Geliebte aus sich zeichnen
kann;
Doch da die Götter eines und das andre
In dir mir einigten, verzeih
ich diesem
Von Herzen gern, was der vielleicht verbrach.
JUPITER: Versprich mir denn, daß dieses heitre Fest,
Das wir jetzt
frohem Wiedersehn gefeiert,
Dir nicht aus dem Gedächtnis weichen soll;
Daß
du den Göttertag, den wir durchlebt,
Geliebteste, mit deiner weitern
Ehe
Gemeinen Tag'lauf nicht verwechseln willst.
Versprich, sag ich, daß du
an mich willst denken,
Wenn einst Amphitryon zurücke kehrt -?
ALKMENE: Nun ja. Was soll man dazu sagen?
JUPITER: Dank dir!
Es hat mehr Sinn und Deutung, als du
glaubst.
Leb wohl, mich ruft die Pflicht. ;
ALKMENE: So willst du fort?
Nicht diese kurze Nacht bei mir,
Geliebter,
Die mir zehntausend Schwingen fleucht, vollenden?
JUPITER: Schien diese Nacht dir kürzer als die andern?
ALKMENE: Ach!
JUPITER: Süßes Kind! Es konnte doch Aurora
Für unser Glück nicht
mehr tun, als sie tat.
Leb wohl. Ich sorge, daß die anderen
Nicht länger
dauern, als die Erde braucht.
ALKMENE: Er ist berauscht, glaub ich. Ich bin es auch. Ab.
CHARIS für sich: Das nenn ich Zärtlichkeit mir! Das mir
Treue!
Das mir ein artig Fest, wenn Eheleute
Nach langer Trennung jetzt
sich wiedersehn!
Doch jener Bauer dort, der mir verbunden,
Ein Klotz ist
just so zärtlich auch, wie er.
MERKUR für sich: Jetzt muß ich eilen und die Nacht
erinnern,
Daß uns der Weltkreis nicht aus aller Ordnung kommt.
Die gute
Göttin Kupplerin verweilte
Uns siebzehn Stunden über Theben heut;
Jetzt
mag sie weiter ziehn, und ihren Schleier
Auch über andre Abenteuer
werfen.
CHARIS laut: Jetzt seht den Unempfindlichen! da geht er.
MERKUR: Nun, soll ich dem Amphitryon nicht folgen?
Ich werde doch,
wenn er ins Lager geht,
Nicht auf die Bärenhaut mich legen sollen?
CHARIS: Man sagt doch was.
MERKUR: Ei was! Dazu ist Zeit. -
Was du gefragt, das weißt du,
damit basta.
In diesem Stücke bin ich Lakoner.
CHARIS: Ein Tölpel bist du. Gutes Weib, sagt man,
Behalt mich lieb,
und tröst dich, und was weiß ich?
MERKUR: Was, Teufel, kommt dir in den Sinn? Soll ich
Mit dir zum
Zeitvertreib hier Fratzen schneiden?
Eilf Ehstandsjahr erschöpfen das
Gespräch,
Und schon seit Olims Zeit sagt ich dir alles.
CHARIS: Verräter, sieh Amphitryon, wie er,
Den schlechtsten Leuten
gleich, sich zärtlich zeigt,
Und schäme dich, daß in Ergebenheit
Zu seiner
Frau, und ehelicher Liebe
Ein Herr der großen Welt dich übertrifft.
MERKUR: Er ist noch in den Flitterwochen, Kind.
Es gibt ein Alter,
wo sich alles schickt.
Was diesem jungen Paare steht, das möcht ich
Von
weitem sehn, wenn wirs verüben wollten.
Es würd uns lassen, wenn wir alten
Esel
Mit süßen Brocken um uns werfen wollten.
CHARIS: Der Grobian! Was das für Reden sind.
Bin ich nicht mehr im
Stand? -
MERKUR: Das sag ich nicht,
Dein offner Schaden läßt sich
übersehen,
Wenns finster ist, so bist du grau; doch hier
Auf offnem Markt
würds einen Auflauf geben,
Wenn mich der Teufel plagte, zu scharwenzeln.
CHARIS: Ging ich nicht gleich, so wie du kamst, Verräter,
Zur
Plumpe? Kämmt ich dieses Haar mir nicht?
Legt ich dies reingewaschne Kleid
nicht an?
Und das, um ausgehunzt von dir zu werden.
MERKUR: Ei was ein reines Kleid! Wenn du das Kleid
Ausziehen
könntest, das dir von Natur ward,
Ließ ich die schmutzge Schürze mir
gefallen.
CHARIS: Als du mich freitest, da gefiel dirs doch.
Da hätt es not
getan, es in der Küche
Beim Waschen und beim Heuen anzutun.
Kann ich
dafür, wenn es die Zeit genutzt?
MERKUR: Nein, liebstes Weib. Doch ich kanns auch nicht flicken.
CHARIS: Halunke, du verdienst es nicht, daß eine
Frau dir von Ehr
und Reputation geworden.
MERKUR. Wärst du ein wenig minder Frau von Ehre,
Und rissest mir
dafür die Ohren nicht
Mit deinen ewgen Zänkereien ab.
CHARIS: Was? so mißfällts dir wohl, daß ich in Ehren
Mich stets
erhielt, mir guten Ruf erwarb?
MERKUR: Behüt der Himmel mich. Pfleg deiner Tugend,
Nur führe sie
nicht, wie ein Schlittenpferd,
Stets durch die Straße läutend, und den
Markt.
CHARIS: Dir wär ein Weib gut, wie man sie in Theben
Verschmitzt und
voller Ränke finden kann,
Ein Weib, das dich in süße Wort' ertränkte,
Damit du ihr den Hahnrei niederschluckst.
MERKUR: Was das betrifft, mein Seel, da sag ich dir:
Gedankenübel
quälen nur die Narren,
Den Mann vielmehr beneid ich, dem ein Freund
Den
Sold der Ehe vorschießt; alt wird er,
Und lebt das Leben aller seiner
Kinder.
CHARIS: Du wärst so schamlos, mich zu reizen? Wärst
So frech, mich
förmlich aufzufordern, dir
Den freundlichen Thebaner, welcher abends
Mir
auf der Fährte schleicht, zu adjungieren?
MERKUR. Hol mich der Teufel, ja. Wenn du mir nur
Ersparst, Bericht
darüber anzuhören.
Bequeme Sünd ist, find ich, so viel wert,
Als lästge
Tugend; und mein Wahlspruch ist,
Nicht so viel Ehr in Theben, und mehr Ruhe
-
Fahr wohl jetzt, Charis, Schatzkind! Fort muß ich.
Amphitryon wird schon
im Lager sein. Ab.
CHARIS: Warum, um diesen Niederträchtigen
Mit einer offenbaren Tat
zu strafen,
Fehlts an Entschlossenheit mir? O ihr Götter!
Wie ich es jetzt
bereue, daß die Welt
Für eine ordentliche Frau mich hält!
AMPHITRYON: Steh, Gaudieb, sag ich, mir, vermaledeiter
Halunke!
Weißt du, Taugenichts, daß dein
Geschwätz dich an den Galgen bringen
wird?
Und daß, mit dir nach Würden zu verfahren,
Nur meinem Zorn ein
tüchtges Rohr gebricht?
SOSIAS: Wenn Ihrs aus diesem Ton nehmt, sag ich nichts.
Befehlt, so
träum ich, oder bin betrunken.
AMPHITRYON: Mir solche Märchen schamlos aufzubürden!
Erzählungen,
wie unsre Ammen sie
Den Kindern abends in die Ohren lullen. -
Meinst du,
ich werde dir die Possen glauben?
SOSIAS: Behüt! Ihr seid der Herr und ich der Diener,
Ihr werdet tun
und lassen, was Ihr wollt.
AMPHITRYON: Es sei. Ich unterdrücke meinen Zorn,
Gewinne die Geduld
mir ab, noch einmal
Vom Ei den ganzen Hergang anzuhören.
- Ich muß dies
Teufelsrätsel mir entwirren,
Und nicht den Fuß eh'r setz ich dort ins
Haus.
- Nimm alle deine Sinne wohl zusammen,
Und steh Rede, pünktlich,
Wort für Wort. ;
SOSIAS: Doch, Herr, aus Furcht, vergebt mir, anzustoßen,
Ersuch ich
Euch, eh wir zur Sache schreiten,
Den Ton mir der Verhandlung
anzugeben.
Soll ich nach meiner Überzeugung reden,
Ein ehrlicher Kerl,
versteht mich, oder so,
Wie es bei Hofe üblich, mit Euch sprechen?
Sag ich
Euch dreist die Wahrheit, oder soll ich
Mich wie ein wohlgezogner Mensch
betragen?
AMPHITRYON: Nichts von den Fratzen. Ich verpflichte dich,
Bericht
mir unverhohlen abzustatten.
SOSIAS: Gut. Laßt mich machen jetzt. Ihr sollt bedient sein.
Ihr
habt bloß mir die Fragen auszuwerfen.
AMPHITRYON: Auf den Befehl, den ich dir gab -?
SOSIAS: Ging ich
Durch eine Höllenfinsternis, als wäre
Der Tag
zehntausend Klafter tief versunken,
Euch allen Teufeln, und den Auftrag
gebend,
Den Weg nach Theben, und die Königsburg.
AMPHITRYON: Was, Schurke, sagst du?
SOSIAS: Herr, es ist die Wahrheit
AMPHITRYON: Gut. Weiter. Während du den Weg verfolgtest -?
SOSIAS: Setzt ich den Fuß stets einen vor den andern,
Und ließ die
Spuren hinter mir zurück.
AMPHITRYON: Was! Ob dir was begegnet, will ich wissen!
SOSIAS: Nichts, Herr, als daß ich salva venia
Die Seele voll von
Furcht und Schrecken hatte.
AMPHITRYON: Drauf eingetroffen hier -?
SOSIAS: Übt ich ein wenig
Mich auf den Vortrag, den ich halten
sollte,
Und stellte witzig die Laterne mir,
Als Eure Gattin, die
Prinzessin, vor.
AMPHITRYON: Dies abgemacht -?
SOSIAS: Ward ich gestört. Jetzt kömmts
AMPHITRYON: Gestört? Wodurch? Wer störte dich?
SOSIAS: Sosias.
AMPHITRYON: Wie soll ich das verstehn?
SOSIAS: Wie Ihrs verstehn sollt?
Mein Seel! Da fragt Ihr mich zu
viel.
Sosias störte mich, da ich mich übte.
AMPHITRYON: Sosias! Welch ein Sosias! Was für
Ein Galgenstrick,
Halunke, von Sosias,
Der außer dir den Namen führt in Theben,
Hat dich
gestört, da du dich eingeübt?
SOSIAS: Sosias! Der bei Euch in Diensten steht,
Den Ihr vom Lager
gestern abgeschickt,
Im Schlosse Eure Ankunft anzumelden.
AMPHITRYON: Du? Was?
SOSIAS: Ich, ja. Ein Ich, das Wissenschaft
Von allen unsern
Heimlichkeiten hat,
Das Kästchen und die Diamanten kennt,
Dem Ich
vollkommen gleich, das mit Euch spricht.
AMPHITRYON: Was für Erzählungen?
SOSIAS: Wahrhaftige.
Ich will nicht leben, Herr, belüg ich
Euch.
Dies Ich war früher angelangt, als ich,
Und ich war hier, in diesem
Fall, mein Seel,
Noch eh ich angekommen war.
AMPHITRYON:
Woher entspringt dies Irrgeschwätz? Der
Wischwasch?
Ists Träumerei? Ist es Betrunkenheit?
Gehirnverrückung? Oder
solls ein Scherz sein?
SOSIAS: Es ist mein völl'ger Ernst, Herr, und Ihr werdet,
Auf
Ehrenwort, mir Euren Glauben schenken,
Wenn Ihr so gut sein wollt. Ich
schwörs Euch zu,
Daß ich, der einfach aus dem Lager ging,
Ein Doppelter in
Theben eingetroffen;
Daß ich mir glotzend hier begegnet bin;
Daß hier dies
eine Ich, das vor Euch steht,
Vor Müdigkeit und Hunger ganz erschöpft,
Das
andere, das aus dem Hause trat,
Frisch, einen Teufelskerl, gefunden
hat;
Daß diese beiden Schufte, eifersüchtig
Jedweder, Euern Auftrag
auszurichten,
Sofort in Streit gerieten, und daß ich
Mich wieder ab ins
Lager trollen mußte,
Weil ich ein unvernünftger Schlingel war.
AMPHITRYON: Man muß von meiner Sanftmut sein, von
meiner
Friedfertigkeit, von meiner Selbstverleugnung,
Um einem Diener
solche Sprache zu gestatten.
SOSIAS: Herr, wenn Ihr Euch ereifert, schweig ich still.
Wir wollen
von was andern sprechen.
AMPHITRYON: Gut. Weiter denn. Du siehst, ich mäßge mich.
Ich will
geduldig bis ans End dich hören.
Doch sage mir auf dein Gewissen jetzt,
Ob
das, was du für wahr mir geben willst,
Wahrscheinlich auch nur auf den
Schatten ist.
Kann mans begreifen? reimen? Kann mans fassen?
SOSIAS: Behüte! Wer verlangt denn das von Euch?
Ins Tollhaus weis
ich den, der sagen kann,
Daß er von dieser Sache was begreift.
Es ist
gehauen nicht und nicht gestochen,
Ein Vorfall, koboldartig, wie ein
Märchen,
Und dennoch i s t es, wie das Sonnenlicht.
AMPHITRYON: Falls man demnach fünf Sinn hat, wie glaubt mans?
SOSIAS: Mein Seel! Es kostete die größte Pein mir,
So gut, wie
Euch, eh ich es glauben lernte.
Ich hielt mich für besessen, als ich
mich
Hier aufgepflanzt fand lärmend auf dem Platze,
Und einen Gauner
schalt ich lange mich.
Jedoch zuletzt erkannt ich, mußt ich mich,
Ein Ich,
so wie das andre, anerkennen.
Hier stands, als wär die Luft ein Spiegel vor
mir,
Ein Wesen völlig wie das meinige,
Von diesem Anstand, seht, und
diesem Wuchse,
Zwei Tropfen Wasser sind nicht ähnlicher.
Ja, wär es nur
geselliger gewesen,
Kein solcher mürrscher Grobian, ich könnte,
Auf Ehre,
sehr damit zufrieden sein.
AMPHITRYON: Zu welcher Überwindung ich verdammt bin!
- Doch
endlich, bist du nicht ins Haus gegangen?
SOSIAS: Ins Haus! Was! Ihr seid gut! Auf welche Weise?
Litt ichs?
Hört ich Vernunft an? Untersagt ich
Nicht eigensinnig stets die Pforte
mir?
AMPHITRYON: Wie? Was? Zum Teufel!
SOSIAS: Wie? Mit einem Stocke,
Von dem mein Rücken noch die Spuren
trägt.
AMPHITRYON: So schlug man dich?
SOSIAS: Und tüchtig.
AMPHITRYON: Wer - wer schlug dich?
Wer unterstand sich das?
SOSIAS: Ich.
AMPHITRYON: Du? Dich schlagen?
SOSIAS: Mein Seel, ja, ich! Nicht dieses Ich von hier,
Doch das
vermaledeite Ich vom Hause,
Das wie fünf Ruderknechte schlägt.
AMPHITRYON: Unglück verfolge dich, mit mir also zu reden!
SOSIAS: Ich kanns Euch dartun, Herr, wenn Ihrs begehrt.
Mein Zeuge,
mein glaubwürdiger, ist der
Gefährte meines Mißgeschicks, mein Rücken.
-
Das Ich, das mich von hier verjagte, stand
Im Vorteil gegen mich; es hatte
Mut
Und zwei geübte Arme, wie ein Fechter.
AMPHITRYON: Zum Schlusse. Hast du meine Frau gesprochen?
SOSIAS: Nein.
AMPHITRYON: Nicht! Warum nicht?
SOSIAS: Ei! Aus guten Gründen.
AMPHITRYON: Und wer hat dich, Verräter, deine Pflicht
Verfehlen
lassen? Hund, Nichtswürdiger!
SOSIAS: Muß ich es zehn und zehnmal wiederholen?
Ich, hab ich Euch
gesagt, dies Teufels-Ich,
Das sich der Türe dort bemächtigt hatte;
Das
Ich, das das alleinge Ich will sein;
Das Ich vom Hause dort, das Ich vom
Stocke,
Das Ich, das mich halb tot geprügelt hat.
AMPHITRYON: Es muß die Bestie getrunken haben,
Sich vollends um das
bißchen Hirn gebracht.
SOSIAS: Ich will des Teufels sein, wenn ich heut mehr
Als meine
Portion getrunken habe.
Auf meinen Schwur, mein Seel, könnt Ihr mir
glauben.
AMPHITRYON: - So hast du dich unmäßgem Schlaf vielleicht
Ergeben? -
Vielleicht daß dir ein böser Traum
Den aberwitzgen Vorfall
vorgespiegelt,
Den du mir hier für Wirklichkeit erzählst -?
SOSIAS: Nichts, nichts von dem. Ich schlief seit gestern nicht
Und
hatt im Wald auch gar nicht Lust zu schlafen,
Ich war erwacht vollkommen, als
ich eintraf,
Und sehr erwacht und munter war der andre
Sosias, als er mich
so tüchtig walkte.
AMPHITRYON: Schweig. Was ermüd ich mein Gehirn? Ich bin
Verrückt
selbst, solchen Wischwasch anzuhören.
Unnützes, marklos-albernes
Gewäsch,
In dem kein Menschensinn ist, und Verstand.
Folg mir.
SOSIAS für sich: So ists. Weil es aus meinem Munde
kommt,
Ists albern Zeug, nicht wert, daß man es höre.
Doch hätte sich ein
Großer selbst zerwalkt,
So würde man Mirakel schreien.
AMPHITRYON: Laß mir die Pforte öffnen. - Doch was seh ich?
Alkmene
kommt. Es wird sie überraschen,
Denn freilich jetzt erwartet sie mich
nicht.
x5
ALKMENE: Komm, meine Charis. Laß den Göttern uns
Ein Opfer dankbar
auf den Altar legen.
Laß ihren großen, heilgen Schutz noch ferner
Mich auf
den besten Gatten niederflehn.
Da sie den Amphitryon erblickt.
O
Gott! Amphitryon!
AMPHITRYON: Der Himmel gebe,
Daß meine Gattin nicht vor mir
erschrickt,
Nicht fürcht ich, daß nach dieser flüchtgen Trennung
Alkmene
minder zärtlich mich empfängt,
Als ihr Amphitryon zurückekehrt.
ALKMENE: So früh zurück -?
AMPHITRYON: Was! dieser Ausruf,
Führwahr, scheint ein zweideutig
Zeichen mir
Ob auch die Götter jenen Wunsch erhört.
Dies: "Schon so früh
zurück!" ist der Empfang,
Beim Himmel, nein! der heißen Liebe nicht.
Ich
Törichter! Ich stand im Wahn, daß mich
Der Krieg zu lange schon von hier
entfernt;
Zu spät, war meine Rechnung, kehrt ich wieder.
Doch du belehrst
mich, daß ich mich geirrt,
Und mit Befremden nehm ich wahr, daß ich
Ein
Überlästger aus den Wolken falle.
ALKMENE: Ich weiß nicht -
AMPHITRYON: Nein Alkmene,
Verzeih. Mit diesem Worte hast du
Wasser
Zu meiner Liebe Flammen hingetragen.
Du hast, seit ich dir fern,
die Sonnenuhr
Nicht eines flüchtgen Blicks gewürdigt.
Hier ward kein
Flügelschlag der Zeit vernommen,
Und unter rauschendem Vergnügen sind
In
diesem Schloß fünf abgezählte Monden
Wie so viel Augenblicke hingeflohn.
ALKMENE: Ich habe Müh, mein teurer Freund, zu fassen,
Worauf du
diesen Vorwurf gründen magst.
Beklagst du über meine Kälte dich,
So siehst
du mich verlegen, wie ich dich
Befriedgen soll. Ich denke gestern, als
Du
um die Abenddämmrung mir erschienst,
Trug ich die Schuld, an welche du mich
mahnst,
Aus meinem warmen Busen reichlich ab.
Kannst du noch mehr dir
wünschen, mehr begehren,
So muß ich meine Dürftigkeit gestehn:
Ich gab dir
wirklich alles, was ich hatte.
AMPHITRYON: Wie?
ALKMENE: Und du fragst noch! Flog ich gestern nicht,
Als du mich
heimlich auf den Nacken küßtest,
Ich spann, ins Zimmer warst du
eingeschlichen,
Wie aus der Welt entrückt, dir an die Brust?
Kann man sich
inn'ger des Geliebten freun?
AMPHITRYON: Was sagst du mir?
ALKMENE: Was das für Fragen sind!
Du selber warst unmäßger Freude
voll,
Dich so geliebt zu sehn; und als ich lachte,
Inzwischen mir die
Träne floß, schwurst du
Mit seltsam schauerlichem Schwur mir zu,
Daß nie
die Here so den Jupiter beglückt.
AMPHITRYON: Ihr ewgen Götter!
ALKMENE: Drauf als der Tag erglühte,
Hielt länger dich kein Flehn
bei mir zurück.
Auch nicht die Sonne wolltest du erwarten.
Du gehst, ich
werfe mich aufs Lager nieder,
Heiß ist der Morgen, schlummern kann ich
nicht,
Ich bin bewegt, den Göttern will ich opfern,
Und auf des Hauses
Vorplatz treff ich dich!
Ich denke, Auskunft, traun, bist du mir
schuldig,
Wenn deine Wiederkehr mich überrascht,
Bestürzt auch, wenn du
willst; nicht aber ist
Ein Grund hier, mich zu schelten, mir zu zürnen.
AMPHITRYON: Hat mich etwan ein Traum bei dir verkündet,
Alkmene?
Hast du vielleicht im Schlaf
Empfangen, daß du wähnst, du habest mir
Die
Forderung der Liebe schon entrichtet?
ALKMENE: Hat dir ein böser Dämon das Gedächtnis
Geraubt,
Amphitryon? hat dir vielleicht
Ein Gott den heitern Sinn verwirrt, daß
du
Die keusche Liebe deiner Gattin, höhnend,
Von allem Sittlichen
entkleiden willst?
AMPHITRYON: Was? Mir wagst du zu sagen, daß ich gestern
Hier um die
Dämmrung eingeschlichen bin?
Daß ich dir scherzend auf den Nacken -
Teufel!
ALKMENE: Was? Mir wagst du zu leugnen, daß du gestern
Hier um die
Dämmrung eingeschlichen bist?
Daß du dir jede Freiheit hast erlaubt,
Die
dem Gemahl mag zustehn über mich?
AMPHITRYON: - Du scherzest. Laß zum Ernst uns wiederkehren,
Denn
nicht an seinem Platz ist dieser Scherz.
ALKMENE: D u scherzest. Laß zum Ernst uns wiederkehren,
Denn roh
ist und empfindlich dieser Scherz.
AMPHITRYON: - Ich hätte jede Freiheit mir erlaubt,
Die dem Gemahl
mag zustehn über dich? -
Wars nicht so? -
ALKMENE: Geh, Unedelmütiger!
AMPHITRYON: O Himmel! Welch ein Schlag trifft mich! Sosias!
Mein
Freund!
SOSIAS: Sie braucht fünf Grane Niesewurz;
In ihrem Oberstübchen
ists nicht richtig.
AMPHITRYON: Alkmene! Bei den Göttern! du bedenkst nicht,
Was dies
Gespräch für Folgen haben kann.
Besinne dich. Versammle deine
Geister.
Fortan werd ich dir glauben, was du sagst.
ALKMENE: Was auch daraus erfolgt, Amphitryon,
Ich wills, daß dur
mir glaubst, du sollst mich nicht
So unanständgen Scherzes fähig
wähnen.
Sehr ruhig siehst du um den Ausgang mich.
Kannst du im Ernst ins
Angesicht mir leugnen, ;
Daß du im Schlosse gestern dich gezeigt,
Falls
nicht die Götter fürchterlich dich straften,
Gilt jeder andre schnöde Grund
mir gleich.
Den innern Frieden kannst du mir nicht stören,
Und auch die
Meinung, hoff ich, nicht der Welt:
Den Riß bloß werd ich in der Brust
empfinden,
Daß mich der Liebste grausam kränken will.
AMPHITRYON: Unglückliche! Welch eine Sprach! - Und auch
Schon die
Beweise hast du dir gefunden?
ALKMENE: Ist es erhört? die ganze Dienerschaft
Ist, dieses
Schlosses, Zeuge mir; es würden
Die Steine mir, die du betratst, die
Bäume,
Die Hunde, die deine Knie umwedelten,
Von dir mir Zeugnis reden,
wenn sie könnten.
AMPHITRYON: Die ganze Dienerschaft? Es ist nicht möglich!
ALKMENE: Soll ich, du Unbegreiflicher, dir den
Beweis jetzt geben,
den entscheidenden?
Von wem empfing ich diesen Gürtel hier?
AMPHITRYON: Was, einen Gürtel? du? Bereits? Von mir?
ALKMENE: Das Diadem, sprachst du, des Labdakus,
Den du gefällt hast
in der letzten Schlacht.
AMPHITRYON: Verräter dort! Was soll ich davon denken?
SOSIAS: Laßt mich gewähren. Das sind schlechte Kniffe,
Das Diadem
halt ich mit meinen Händen.
AMPHITRYON: Wo?
SOSIAS: Hier. Er zieht ein Kästchen aus der Tasche.
AMPHITRYON: Das Siegel ist noch unverletzt!
Er betrachtet den
Gürtel an Alkmenens Brust.
Und gleichwohl - - trügen mich nicht alle Sinne
-
Zu Sosias:
Schnell öffne mir das Schloß.
SOSIAS: Mein Seel, der Platz ist leer.
Der Teufel hat es
wegstipitzt, es ist
Kein Diadem des Labdakus zu finden.
AMPHITRYON: O ihr allmächtgen Götter, die die Welt
Regieren! Was
habt ihr über mich verhängt?
SOSIAS: Was über Euch verhängt ist? Ihr seid doppelt,
Amphitryon
vom Stock ist hier gewesen,
Und glücklich schätz ich Euch, bei Gott -
AMPHITRYON: Schweig Schlingel!
ALKMENE zu Charis: Was kann in aller Welt ihn so
bewegen?
Warum ergreift die Bestürzung ihn, Entgeisterung,
Bei dieses
Steines Anblick, den er kennt?
AMPHITRYON: Ich habe sonst von Wundern schon gehört,
Von
unnatürlichen Erscheinungen, die sich
Aus einer andern Welt hierher
verlieren;
Doch heute knüpft der Faden sich von jenseits
An meine Ehre und
erdrosselt sie.
ALKMENE zu Amphitryon:
Nach diesem Zeugnis, sonderbarer
Freund,
Wirst du noch leugnen, daß du mir erschienst
Und daß ich meine
Schuld schon abgetragen?
AMPHITRYON: Nein; doch du wirst den Hergang mir erzählen.
ALKMENE: Amphitryon!
AMPHITRYON: Du hörst, ich zweifle nicht.
Man kann dem Diadem nicht
widersprechen.
Gewisse Gründe lassen bloß mich wünschen,
Daß du
umständlich die Geschichte mir
Von meinem Aufenthalt im Schloß erzählst.
ALKMENE: Mein Freund, du bist doch krank nicht?
AMPHITRYON: Krank - krank nicht.
ALKMENE: Vielleicht daß deine Sorge dir des Krieges
Den Kopf
beschwert, dir, die zudringliche,
Des Geistes heitre Tätigkeit befangen?
-
AMPHITRYON: Wahr ist's. Ich fühle mir den Kopf benommen.
ALKMENE: Komm, ruhe dich ein wenig aus.
AMPHITRYON: Laß mich.
Es drängt nicht. Wie gesagt, es ist mein
Wunsch,
Eh ich das Haus betrete, den Bericht
Von dieser Ankunft gestern -
anzuhören.
ALKMENE: Die Sach ist kurz. Der Abend dämmerte,
Ich saß in meiner
Klaus und spann, und träumte
Bei dem Geräusch der Spindel mich ins
Feld,
Mich unter Krieger, Waffen hin, als ich
Ein Jauchzen an der fernen
Pforte hörte.
AMPHITRYON: Wer jauchzte?
ALKMENE: Unsre Leute.
AMPHITRYON: Nun?
ALKMENE: Es fiel
Mir wieder aus dem Sinn, auch nicht im
Traume
Gedacht ich noch, welch eine Freude mir
Die guten Götter
aufgespart, und eben
Nahm ich den Faden wieder auf, als es
Jetzt zuckend
mir durch alle Glieder fuhr.
AMPHITRYON: Ich weiß.
ALKMENE: Du weißt es schon.
AMPHITRYON: Darauf?
ALKMENE: Darauf
Ward viel geplaudert, viel gescherzt, und
stets
Verfolgten sich und kreuzten sich die Fragen.
Wir setzten uns - und
jetzt erzähltest du
Mit kriegerischer Rede mir, was bei
Pharissa jüngst
geschehn, mir von dem Labdakus,
Und wie er in die ewge Nacht gesunken
-
Und jeden blutgen Auftritt des Gefechts.
Drauf - ward das prächtge Diadem mir
zum
Geschenk, das einen Kuß mich kostete;
Viel bei dem Schein der Kerze
wards betrachtet
- Und einem Gürtel gleich verband ich es,
Den deine Hand
mir um den Busen schlang.
AMPHITRYON für sich:
Kann man, frag ich, den Dolch lebhafter
fühlen?
ALKMENE: Jetzt ward das Abendessen aufgetragen,
Doch weder du noch
ich beschäftigten
Uns mit dem Ortolan, der vor uns stand,
Noch mit der
Flasche viel, du sagtest scherzend,
Daß du von meiner Liebe Nektar
lebtest,
Du seist ein Gott, und was die Lust dir sonst,
Die ausgelaßne, in
den Mund dir legte.
AMPHITRYON: - Die außgelaßne in den Mund mir legte!
ALKMENE: - Ja, in den Mund dir legte. Nun - hierauf -
Warum so
finster, Freund?
AMPHITRYON: Hierauf jetzt -?
ALKMENE: Standen
Wir von der Tafel auf; und nun -
AMPHITRYON: Und nun?
ALKMENE: Nachdem wir von der Tafel aufgestanden -
AMPHITRYON: Nachdem ihr von der Tafel aufgestanden -
ALKMENE: So gingen -
AMPHITRYON: Ginget -
ALKMENE: Gingen wir - - - nun ja!
Warum steigt solche Röt ins
Antlitz dir?
AMPHITRYON: O dieser Dolch, er trifft das Leben mir!
Nein, nein,
Verräterin, ich war es nicht!
Und wer sich gestern um die Dämmerung
Hier
eingeschlichen als Amphitryon,
War der nichtswürdigste der Lotterbuben!
ALKMENE: Abscheulicher!
AMPHITRYON: Treulose! Undankbare! -
Fahr hin jetzt Mäßigung, und
du, die mir
Bisher der Ehre Fordrung lähmtest, Liebe,
Erinnrung fahrt, und
Glück und Hoffnung hin,
Fortan in Wut und Rache will ich schwelgen.
ALKMENE: Fahr hin auch du, unedelmütger Gatte,
Es reißt das Herz
sich blutend von mir los.
Abscheulich ist der Kunstgriff, er empört
mich.
Wenn du dich einer andern zugewendet,
Bezwungen durch der Liebe
Pfeil, es hätte
Dein Wunsch, mir würdig selbst vertraut, so schnell
dich
Als diese feige List zum Ziel geführt.
Du siehst entschlossen mich
das Band zu lösen,
Das deine wankelmütge Seele drückt;
Und ehe noch
derAbend sich verkündet,
Bist du befreit von allem, was dich bindet.
AMPHITRYON: Schmachvoll, wie die Beleidgung ist, die sich
Mir
zugefügt, ist dies das Mindeste,
Was meine Ehre blutend fordern kann.
Daß
ein Betrug vorhanden ist, ist klar,
Wenn meine Sinn auch das
fluchwürdige
Gewebe noch nicht fassen. Zeugen doch
Jetzt ruf ich, die es
mir zerreißen sollen.
Ich rufe deinen Bruder mir, die Feldherrn,
Das ganze
Heer mir der Thebaner auf,
Aus deren Mitt ich eher nicht gewichen,
Als mit
des heutgen Morgens Dämmerstrahl.
Dann werd ich auf des Rätsels Grund
gelangen,
Und Wehe! ruf ich, wer mich hintergangen!
SOSIAS: Herr, soll ich etwa -?
AMPHITRYON: Schweig, ich will nichts wissen.
Du bleibst, und harrst
auf diesem Platze mein. Ab.
CHARIS: Befehlt Ihr Fürstin?
ALKMENE: Schweig, ich will nichts wissen,
Verfolg mich nicht, ich
will ganz einsam sein. Ab.
x6
CHARIS: Was das mir für ein Auftritt war! Er ist
Verrückt, wenn er
behaupten kann, daß er
Im Lager die verfloßne Nacht geschlafen. -
Nun wenn
der Bruder kommt, so wird sichs zeigen.
SOSIAS: Dies ist ein harter Schlag für meinen Herrn.
- Ob mir wohl
etwas Ähnliches beschert ist?
Ich muß ein wenig auf den Strauch ihr
klopfen.
CHARIS für sich: Was gibts? er hat die Unverschämtheit
dort,
Mir maulend noch den Rücken zuzukehren.
SOSIAS: Es läuft, mein Seel, mir übern Rücken, da ich ;
Den Punkt,
den kitzlichen, berühren soll.
Ich möchte fast den Vorwitz bleiben
lassen,
Zuletzt ists doch so lang wie breit,
Wenn mans nur mit dem Licht
nicht untersucht. -
Frisch auf, der Wurf soll gelten, wissen muß ichs!
-
Helf dir der Himmel Charis!
CHARIS: Was? du nahst mir noch,
Verräter? Was? du hast die
Unverschämtheit,
Da ich dir zürne, keck mich anzureden?
SOSIAS: Nun, ihr gerechten Götter, sag, was hast denn du?
Man grüßt
sich doch, wenn man sich wieder sieht.
Wie du gleich über nichts die Fletten
sträubst.
CHARIS: Was nennst du über nichts? Was nennst du nichts?
Was nennst
du über nichts? Unwürdger! Was?
SOSIAS: Ich nenne nichts, die Wahrheit dir zu sagen,
Was nichts in
Prosa wie in Versen heißt,
Und nichts, du weißt, ist ohngefähr so
viel,
Wie nichts, vesteh mich, oder nur sehr wenig. -
CHARIS: Wenn ich nur wüßte, was die Hände mir
Gebunden hält. Es
kribblet mir, daß ichs
Kaum mäßge, dir die Augen auszukratzen,
Und was ein
wütend Weib ist, dir zu zeigen.
SOSIAS: Ei, so bewahr der Himmel mich, was für ein Anfall!
CHARIS: Nichts also nennst du, nichts mir das Verfahren,
Das du dir
schamlos gegen mich erlaubt?
SOSIAS: Was denn erlaubt ich mir? Was ist geschehn?
CHARIS: Was mir geschehn? Ei seht! Den Unbefangenen!
Er wird mir
jetzo, wie sein Herr, behaupten,
Daß er noch gar in Theben nicht gewesen.
SOSIAS: Was das betrifft, mein Seel! Da sag ich dir
Daß ich nicht
den Geheimnisvollen spiele.
Wir haben einen Teufelswein getrunken,
Der die
Gedanken rein uns weggespült.
CHARIS: Meinst du, mit diesem Pfiff mir zu entkommten?
SOSIAS: Nein Charis. Auf mein Wort. Ich will ein Schuft sein, ;
Wenn ich nicht gestern schon hier angekommen.
Doch weiß ich nichts von
allem, was geschehn,
Die ganze Welt war mir ein Dudelsack.
CHARIS: Du wüßtest nicht mehr, wie du mich behandelt,
Da gestern
abend du ins Haus getreten?
SOSIAS: Der Henker hol es! Nicht viel mehr, als nichts.
Erzähls,
ich bin ein gutes Haus, du weißt,
Ich werd mich selbst verdammen, wenn ich
fehlte.
CHARIS: Unwürdiger! Es war schon Mitternacht,
Und längst das junge
Fürstenpaar zur Ruhe,
Als du noch immer in Amphitryons
Gemächern weiltest,
deine Wohnung noch
Mit keinem Blick gesehn. Es muß zuletzt
Dein Weib sich
selber auf die Strümpfe machen,
Dich aufzusuchen, und was find ich
jetzt?
Wo find ich jetzt dich, Pflichtvergessener?
Hin auf ein Kissen find
ich dich gestreckt,
Als ob du, wie zu Haus, hier hingehörtest.
Auf meine
zartbekümmerte Beschwerde,
Hat dies dein Herr, Amphitryon, befohlen,
Du
sollst die Reisestunde nicht verschlafen,
Er denke früh von Theben
aufzubrechen,
Und was dergleichen faule Fische mehr.
Kein Wort, kein
freundliches, von deinen Lippen.
Und da ich jetzt mich niederbeuge,
liebend,
Zu einem Kusse, wendest du, Halunke
Der Wand dich zu, ich soll
dich schlafen lassen.
SOSIAS: Brav, alter, ehrlicher Sosias!
CHARIS: Was?
Ich glaube gar du lobst dich noch? Du lobst dich?
SOSIAS: Mein Seel, du mußt es mir zugute halten. ;
Ich hatte
Meerrettich gegessen, Charis,
Und hatte recht, den Atem abzuwenden.
CHARIS: Ei was! Ich hätte nichts davon gespürt,
Wir hatten auch zu
Mittag Meerrettich.
SOSIAS: Mein Seel. Das wußt ich nicht. Man merkts dann nicht.
CHARIS: Du kömmst mit diesen Schlichen mir nicht durch.
Früh oder
spät wird die Verachtung sich,
Mit der ich mich behandelt sehe, rächen.
Es
wurmt mich, ich verwind es nicht, was ich
Beim Anbruch hier des Tages hören
mußte,
Und ich benutze dir die Freiheit noch,
Die du mir gabst, so wahr
ich ehrlich bin.
SOSIAS: Welch eine Freiheit hab ich dir gegeben?
CHARIS: Du sagtest mir und warst sehr wohl bei Sinnen,
Daß dich ein
Hörnerschmuck nicht kümmern würde,
Ja daß du sehr zufrieden wärst, wenn
ich
Mit dem Thebaner mir die Zeit vertriebe,
Der hier, du weißts, mir auf
der Fährte schleicht.
Wohlan, mein Freund, dein Wille soll geschehn.
SOSIAS: Das hat ein Esel dir gesagt, nicht ich.
Spaß hier beiseit.
Davon sag ich mich los.
Du wirst in diesem Stück vernünftig sein.
CHARIS: Kann ich es gleichwohl über mich gewinnen?
SOSIAS: Still jetzt, Alkmene kommt, die Fürstin.
x7
ALKMENE: Charis.
Was ist mir, Unglücksel'gen, widerfahren?
Was
ist geschehn mir, sprich? Sieh dieses Kleinod.
CHARIS: Was ist dies für ein Kleinod, meine Fürstin?
ALKMENE: Das Diadem ist es, des Labdakus,
Das teure Prachtgeschenk
Amphitryons,
Worauf sein Namenszug gegraben ist.
CHARIS: Dies? Dies das Diadem des Labdakus?
Hier ist kein Namenszug
Amphitryons.
ALKMENE: Unselige, so bist du sinnberaubt?
Hier stünde nicht, daß
mans mit Fingern läse,
Mit großem, goldgegrabnen Zug ein A?
CHARIS: Gewiß nicht, beste Fürstin. Welch ein Wahn?
Hier steht ein
fremdes Anfangszeichen.
Hier steht ein J.
ALKMENE: Ein J?
CHARIS: Ein J. Man irrt nicht.
ALKMENE: Weh mir sodann! Weh mir! Ich bin verloren.
CHARIS: Was ists, erklärt mir, das Euch so bewegt?
ALKMENE: Wie soll ich Worte finden, meine Charis,
Das Unerklärliche
dir zu erklären?
Da ich bestürzt mein Zimmer wieder finde,
Nicht wissend,
ob ich wache, ob ich träume,
Wenn sich die rasende Behauptung wagt,
Daß
mir ein anderer erschienen sei;
Da ich gleichwohl den heißen Schmerz
erwäg
Amphitryons, und dies ein letztes Wort,
Er geh den eignen Bruder,
denke dir!
Den Bruder wider mich zum Zeugnis aufzurufen;
Da ich jetzt
frage, hast du wohl geirrt?
Denn einen äfft der Irrtum doch von
beiden,
Nicht ich, nicht er, sind einer Tücke fähig;
Und jener
doppelsinnge Scherz mir jetzt
Durch das Gedächtnis zuckt, da der
Geliebte,
Amphitryon, ich weiß nicht, ob du's hörtest,
Mir auf Amphitryon
den Gatten schmähte,
Wie Schaudern jetzt, Entsetzen mich ergreift
Und alle
Sinne treulos von mir weichen, -
Faß ich, o du Geliebte, diesen Stein,
Das
einzig, unschätzbare, teure Pfand,
Das ganz untrüglich mir zum Zeugnis
dient.
Jetzt faß ichs, will den werten Namenszug,
Des lieben Lügners
eignen Widersacher,
Bewegt an die entzückten Lippen drücken:
Und einen
andern fremden Zug erblick ich,
Und wie vom Blitz steh ich gerührt - ein
J!
CHARIS: Entsetzlich! solltet Ihr getäuscht Euch haben?
ALKMENE: Ich mich getäuscht!
CHARIS: Hier in dem Zuge, mein ich.
ALKMENE: Ja in dem Zug meinst du - so scheint es fast.
CHARIS: Und also -?
ALKMENE: Was und also -?
CHARIS: Beruhigt Euch.
Es wird noch alles sich zum Guten
wenden.
ALKMENE: O Charis! - Eh will ich irren in mir selbst!
Eh will ich
dieses innerste Gefühl,
Das ich am Mutterbusen eingesogen,
Und das mir
sagt, daß ich Alkmene bin,
Für einen Parther oder Perser halten.
Ist diese
Hand mein? Diese Brust hier mein?
Gehört das Bild mir, das der Spiegel
strahlt?
Er wäre fremder mir, als ich! Nimm mir
Das Aug, so hör ich ihn;
das Ohr, ich fühl ihn;
Mir das Gefühl hinweg, ich atm' ihn noch;
Nimm Aug
und Ohr, Gefühl mir und Geruch,
Mir alle Sinn und gönne mir das Herz:
So
läßt du mir die Glocke die ich brauche,
Aus einer Welt noch find ich ihn
heraus.
CHARIS: Gewiß! Wie konnt ich auch nur zweifeln, Fürstin?
Wie könnt
ein Weib in solchem Falle irren?
Man nimmt ein falsches Kleid, ein
Hausgerät,
Doch einen Mann greift man im Finstern.
Zudem, ist er uns allen
nicht erschienen?
Empfing ihn freudig an der Pforte nicht
Das ganze
Hofgesind, als er erschien?
Tag war es noch, hier müßten tausend Augen
Mit
Mitternacht bedeckt gewesen sein.
ALKMENE: Und gleichwohl dieser wunderliche Zug!
Warum fiel solch
ein fremdes Zeichen mir,
Das kein verletzter Sinn verwechseln kann,
Warum
nicht auf den ersten Blick mir auf?
Wenn ich zwei solche Namen, liebste
Charis,
Nicht unterscheiden kann, sprich, können sie
Zwei Führern, ist es
möglich, eigen sein,
Die leichter nicht zu unterscheiden wären?
CHARIS: Ihr seid doch sicher, hoff ich, beste Fürstin? -
ALKMENE: Wie meiner reinen Seele! Meiner Unschuld!
Du müßtest denn
die Regung mir mißdeuten,
Daß ich ihn schöner niemals fand, als heut.
Ich
hätte für sein Bild ihn halten können,
Für sein Gemälde, sieh, von
Künstlershand,
Dem Leben treu, ins Göttliche verzeichnet.
Er stand, ich
weiß nicht, vor mir, wie im Traum,
Und ein unsägliches Gefühl ergriff
Mich
meines Glücks, wie ich es nie empfunden,
Als er mir strahlend, wie in Glorie,
gestern
Der hohe Sieger von Pharissa nahte.
Er war`s, Amphitryon, der
Göttersohn!
Nur schien er selber einer schon mir der
Verherrlichten, ich
hätt ihn fragen mögen,
Ob er mir aus den Sternen niederstiege.
CHARIS: Einbildung, Fürstin, das Gesicht der Liebe.
ALKMENE: Ach, und der doppeldeutge Scherz, o Charis,
Der immer
wiederkehrend zwischen ihm
Und dem Amphitryon mir unterschied.
War ers,
dem ich zu eigen mich gegeben,
Warum stets den Geliebten nannt er
sich,
Den Dieb nur, welcher bei mir nascht? Fluch mir,
Die ich
leichtsinnig diesem Scherz gelächelt,
Kam er mir aus des Gatten Munde
nicht.
CHARIS: Quält Euch mit übereiltem Zweifel nicht.
Hat nicht
Amphitryon den Zug selbst anerkannt?
Als Ihr ihm heut das Diadem
gezeigt?
Gewiß, hier ist ein Irrtum, beste Fürstin.
Wenn dieses fremde
Zeichen ihn nicht irrte,
So folgt, daß es dem Steine eigen ist,
Und Wahn
hat g e s t e r n uns getäuscht, geblendet;
Doch h e u t ist alles, wie es
soll.
ALKMENE: Und wen er's flüchtig nur betrachtet hätte,
Und jetzt mit
allen Feldherrn wiederkehrte,
Und die Behauptung rasend wiederholte,
Daß
er die Schwelle noch des Hauses nicht betrat!
Nicht nur entblößt bin ich von
j e d e m Zeugnis,
Ein Zeugnis w i d e r m i c h ist dieser Stein.
Was
kann ich, ich Verwirrte, dem entgegnen?
Wohin rett ich vor Schmerz mich, vo
Vernichtung,
Wenn der Verdacht der Männer ihn geprüft?
Muß ich nicht
eingestehn, daß dieser Zug
Der Namenszug nicht des Amphitryon?
Nicht
eingestehn, daß ein Geschenk mir nicht
Mit fremden Zeichen von ihm kommen
kann?
Ja, schwör ich auf den Altar gleich, daß er
Mir das Gestein selbst
gestern überreicht,
Bin ich wohl sicher, sprich, daß ich auch gestern
Das
Z e i c h e n, das hier steht, von ihm empfing?
CHARIS: Faßt Euch. Hier ist er selbst. Jetzt wird sichs lösen.
x8
ALKMENE: Mein Herr und mein Gemahl! Vergönne mir,
Daß ich dir
knieend dieses Kleinod reiche.
Ich lege treu mein Leben dir zu Füßen,
Hast
du mir diesen Stein, betracht ihn wohl,
Mit eines fremden Namens Zug
gegeben,
So küss ich ihn vor Lust und wein auf ihn;
Gabst du ihn nicht,
und leugnest du ihn mir,
Verleugnest ihn, so sei der Tod mein Los
Und ewge
Nacht begrabe meine Schmach.
JUPITER: Mein schönes Weib! Werd ich den Stein ergreifen,
Da solch
ein Wert vor mir im Staube liegt.
Erhebe dich. Was willst du? Fasse dich.
ALKMENE: Mein zuversichtlich Wort hat dich beleidigt,
Ich fühlte
damals schuldlos mich und stark.
Doch seit ich diesen fremden Zug
erblickt,
Will ich dem innersten Gefühl mißtrauen:
Ich galubs - daß mir -
ein anderer - erschienen,
Wenn es dein Mund mir noch versichern kann.
JUPITER: Mein großes Weib! Wie sehr beschämst du mich.
Welch ein
Lüg ist deiner Lipp entflohen?
Wie könnte dir ein anderer erscheinen?
Wer
nahet dir, o du, vor deren Seele
Nur stets des Ein- und Ein'gen Züge
stehn?
Du bist, du Heilige, vor jedem Zutritt
Mit diamantnem Gürtel
angetan.
Auch selbst der Glückliche, den du ermpfängst,
Entläßt dich
schuldlos noch und rein, und alles,
Was sich dir nahet, ist Amphitryon.
ALKMENE: O mein Gemahl! Kannst du mir gütig sagen,
Warst dus, warst
du es nicht? O sprich! du warsts!
JUPITER: Ich war's. Seis wer es wolle. Sei - sei ruhig,
Was du
gesehn, gefühlt, gedacht, empfunden,
War ich: wer wäre außer mir,
Geliebte?
Wer deine Schwelle auch betreten hat,
Mich immer hast du,
Teuerste, empfangen,
Und für jedwede Gunst, die du ihm schenktest,
Bin ich
dein Schuldner, und ich danke dir.
ALKMENE: Nein, mein Amphitryon, hier irrst du dich.
Jetzt lebe wohl
auf ewig, du Geliebter,
Auf diesen Fall war ich gefaßt.
JUPITER: Alkmene!
ALKMENE: Leb wohl! Leb wohl! ;
JUPITER: Was denkst du?
ALKMENE: Fort, fort, fort -
JUPITER: Mein Augenstern!
ALKMENE: Geh, sag ich.
JUPITER: Höre mich.
ALKMENE: Ich will nichts hören, leben will ich nicht,
Wenn nicht
mein Busen mehr unsträflich ist.
JUPITER: Mein angebetet Weib, was sprichst du da?
Was könntest du,
du Heilige, verbrechen?
Und wär ein Teufel gestern dir erschienen,
Und
hätt er Schlamm der Sünd, durchgeiferten,
Aus Höllentiefen über dich
geworfen,
Den Glanz von meines Weibes Busen nicht
Mit einem Makel fleckt
er! Welch ein Wahn!
ALKMENE: Ich Schändlich-hintergangene!
JUPITER: E r war
Der Hintergangene, mein Abgott! I h n
Hat seine
böse Kunst, nicht dich getäuscht,
Nicht dein unfehlbares Gefühl! Wenn
er
In seinem Arm dich wähnte, lagst du an
Amphitryons geliebter Brust,
wenn er
Von Küssen träumte, drücktest du die Lippe
Auf des Amphitryon
geliebten Mund.
O einen Stachel trägt er, glaub es mir,
Den aus dem
liebeglühenden Busen ihm
Die ganze Götterkunst nicht reißen kann.
ALKMENE: Daß ihn Zeus mir zu Füßen niederstürzte!
O Gott! Wir
müssen uns auf ewig trennen.
JUPITER: Mich fester hat der Kuß, den du ihm schenktest,
Als alle
Lieb an dich, die je für mich
Aus deinem Busen loderte, geknüpft.
Und
könnt ich aus der Tage fliehendem Reigen
Den gestrigen, sieh, liebste Frau,
so leicht
Wie eine Dohl aus Lüften niederstürzen,
Nicht um olympsche
Seligkeit wollt ich,
Um Zeus' unsterblich Leben, es nicht tun.
ALKMENE: Und ich, zehn Toden reicht ich meine Brust.
Geh! Nicht in
deinem Haus siehst du mich wieder.
Du zeigst mich keiner Frau in Hellas
mehr.
JUPITER: Dem ganzen Kreise der Olympischen,
Alkmene! - Welch ein
Wort? Dich in die Schar
Glanzwerfend aller Götter führ ich ein.
Und wär
ich Zeus, wenn du dem Reigen nahtest,
Die ewge Here müßte vor dir
aufstehn,
Und Artemis, die strenge, dich begrüßen.
ALKMENE: Geh, deine Güt erdrückt mich. Laß mich fliehn.
JUPITER: Alkmene!
ALKMENE: Laß mich.
JUPITER: Meiner Seelen Weib!
ALKMENE: Amphitryon, du hörsts! Ich will jetzt fort.
JUPITER: Meinst du, dich diesem Arme zu entwinden?
ALKMENE: Amphitryon, ich wills, du sollst mich lassen.
JUPITER: Und flöhst du über ferne Länder hin,
Dem scheußlichen
Geschlecht der Wüste zu,
Bis an den Strand des Meeres folgt ich
dir,
Ereilte dich, und küßte dich, und weinte,
Und höbe dich in Armen auf,
und trüge
Dich im Triumph zu meinem Bett zurück.
ALKMENE: Nun dann, weil dus so willst, so schwör ich dir,
Und rufe
mir der Götter ganze Schar,
Des Meineids fürchterliche Rächer auf:
Eh will
ich meiner Gruft, als diesen Busen,
Solang er atmet, deinem Bette nahn.
JUPITER: Den Eid, kraft angeborner Macht, zerbrech ich
Und seine
Stücken werf ich in die Lüfte.
Es war kein Sterblicher, der dir
erschienen,
Zeus selbst, der Donnergott, hat dich besucht.
ALKMENE: Wer?
JUPITER: Jupiter.
ALKMENE: Wer, Rasender, sagst du?
JUPITER: Er, Jupiter, sag ich.
ALKMENE: Er, Jupiter?
Du wagst, Elender -?
JUPITER: Jupiter sagt ich,
Und wiederhols. Kein anderer, als
er,
Ist in verfloßner Nacht erschienen dir.
ALKMENE: Du zeihst, du wagst es, die Olympischen
Des Frevels,
Gottvergeßner, der verübt ward?
JUPITER: Ich zeihe Frevels die Olympischen?
Laß solch ein Wort
nicht, Unbesonnene,
Aus deinem Mund mich wieder hören.
ALKMENE: Ich solch ein Wort nicht mehr -? Nicht Frevel wärs -?
JUPITER: Schweig, sag ich, ich befehls.
ALKMENE: Verlorner Mensch!
JUPITER: Wenn du empfindlich für den Ruhm nicht bist,
Zu den
Unsterblichen die Staffel zu ersteigen,
Bin ichs: und du vergönnst mir, es zu
sein.
Wenn du Kallisto nicht, die herrliche,
Europa auch und Leda nicht
beneidest,
Wohlan, ich sags, ich neide Tyndarus,
Und wünsche Söhne mir,
wie Tyndariden.
ALKMENE: Ob ich Kallisto auch beneid? Europa?
Die Frauen, die
verherrlichten, in Hellas?
Die hohen Auserwählten Jupiters?
Bewohnerinnen
ewgen Ätherreichs?
JUPITER: Gewiß! Was solltest du sie auch beneiden?
Du, die
gesättigt völlig von dem Ruhm,
Den einen Sterblichen zu Füßen dir zu
sehn.
ALKMENE: Was das für unerhörte Reden sind!
Darf ich auch den
Gedanken nur mir gönnen?
Würd ich vor solchem Glanze nicht versinken?
Würd
ich, wär ers gewesen, noch das Leben
In diesem warmen Busen freudig
fühlen?
Ich, solcher Gnad Unwürdg'? Ich, Sünderin?
JUPITER: Ob du der Gande wert, ob nicht, kömmt nicht
Zu prüfen d i
r zu. Du wirst über dich,
Wie er dich würdiget, ergehen lassen.
Du
unternimmst, Kurzsichtge, ihn zu meistern,
Ihn, der der Menschen Herzen
kennt?
ALKMENE: Gut, gut, Amphitryon. Ich verstehe dich,
Und deine Großmut
rührt mich bis zu Tränen,
Du hast dies Wort, ich weiß es,
hingeworfen,
Mich zu zerstreun - doch meine Seele kehrt
Zu ihrem
Schmerzgedanken wiederum zurück.
Geh du, mein lieber Liebling, geh, mein
Alles,
Und find ein andres Weib dir, und sei glücklich,
Und laß des Lebens
Tage mich durchweinen,
Daß ich dich nicht beglücken darf.
JUPITER: Mein teures Weib! Wie rührst du mich?
Sieh doch den Stein,
den du in Händen hälst.
ALKMENE: Ihr Himmlischen, schützt mich vor Wahn!
JUPITER: Ists nicht sein Nam? Und wars nicht gestern meiner?
Ist
hier nicht Wunder alles, was sich zeigt?
Hielt ich nicht heut dies Diadem
noch in
Versiegeltem Behältnis eingeschlossen?
Und da ichs öffne, dir den
Schmuck zu reichen,
Find ich die leere Spur nicht in der Wolle?
Seh ichs
nicht glänzend an der Brust dir schon?
ALKMENE: So solls die Seele denken? Jupiter?
Der Götter ewger, und
der Menschen, Vater?
JUPITER: Wer könnte dir die augenblickliche
Goldwaage der
Empfindung so betrügen?
Wer so die Seele dir, die weibliche,
Die so
vielgliedrig fühlend um sich greift,
So wie das Glockenspiel der Brust
umgehn,
Das von dem Atem lispelnd schon erklingt?
ALKMENE: Er selber! Er!
JUPITER: Nur die Allmächtgen mögen
So dreist, wie dieser Fremdling,
dich besuchen,
Und solcher Nebenbuhler triumphier ich!
Gern mag ich sehn,
wenn die Allwissenden
Den Weg zu deinem Herzen finden, gern,
Wenn die
Allgegenwärtigen dir nahn:
Und müssen nicht sie selber noch,
Geliebte,
Amphitryon sein, und seine Züge stehlen,
Wenn deine Seele sie
empfangen soll?
ALKMENE: Nun ja. Sie küßt ihn.
JUPITER: Du Himmlische.
ALKMENE: Wie glücklich bin ich!
Und o wie gern, wie gern noch bin
ich glücklich!
Wie gern will ich den Schmerz empfunden haben,
Den Jupiter
mir zugefügt,
Bleibt mir nur alles freundlich wie es war.
JUPITER: Soll ich dir sagen, was ich denke?
ALKMENE: Nun?
JUPITER: Und was, wenn Offenbarung uns nicht wird,
So gar geneigt
zu glauben ich mich fühle?
ALKMENE: Nun? Und? du machst mir bang -
JUPITER: Wie, wenn du seinen
Unwillen - du erschrickst dich nicht,
gereizt?
ALKMENE: Ihn? Ich? gereizt?
JUPIER: Ist er dier wohl
vorhanden?
Nimmst du die Welt, sein großes Werk, wohl wahr?
Siehst du ihn
in der Abendröte Schimmer,
Wenn sie durch schweigende Gebüsche
fällt?
Hörst du ihn beim Gesäusel der Gewässer,
Und bei dem Schlag der
üppgen Nachtigall?
Verkündet nicht umsonst der Berg ihn dir
Getürmt gen
Himmel, nicht umsonst ihn dir
Der felszerstiebten Katarakten Fall?
Wenn
hoch die Sonn in seinem Tempel strahlt
Und von der Freude Pulsschlag
eingeläutet,
Ihn alle Gattungen Erschaffner preisen,
Steigst du nicht in
des Herzens Schacht hinab
Und betest deinen Götzen an?
ALKMENE: Entsetzlicher! Was sprichst du da? Kann man
Ihn frömmer
auch, und kindlicher, verehren?
Verglüht ein Tag, daß ich an seinem
Altar
Nicht für mein Lebend dankend, und dies Herz,
Für dich auch du
Geliebter, niedersänke?
Warf ich nicht jüngst noch in gestirnter Nacht
Das
Antlitz tief, inbrünstig, vor ihm nieder,
Anbetung, glühnd, wie Opferdampf,
gen Himmel
Aus dem Gebrodel des Gefühls entsendend?
JUPITER: Weshalb w a r f s t du aufs Antlitz dich? - Wars
nicht,
Weil in des Blitzes zuckender Verzeichnung
Du einen wohlbekannten
Zug erkannt?
ALKMENE: Mensch! Schauerlicher! Woher weißt du das?
JUPITER: Wer ists, dem du an seinem Altar betest?
Ist ers dir wohl,
der über Wolken ist?
Kann dein befangner Sinn ihn wohl erfassen?
Kann dein
Gefühl, an seinem Nest gewöhnt,
Zu solchem Fluge wohl die Schwingen
wagen?
Ists nicht Amphitryon, der Geliebte stets,
Vor welchem du im
Staube liegst?
ALKMENE: Ach, ich Unsel'ge, wie verwirrst du mich.
Kann man auch
Unwillkürliches verschulden?
Soll ich zur weißen Wand des Marmors
beten?
Ich brauche Züge nun, um ihn zu denken.
JUPITER:
Siehst du? Sagt ich es nicht? Und meinst du nicht, daß
solche
Abgötterei ihn kränkt? Wird er wohl gern
Dein schönes Herz
entbehren? Nicht auch gern
Von dir sich innig angebetet fühlen?
ALKMENE: Ach, freilich wird er das. Wo ist der Sünder,
Deß Huldgung
nicht den Göttern angenehm.
JUPITER: Gewiß! Er kam, w e n n er dir niederstieg,
Dir nur, um
dich zu z w i n g e n ihn zu denken,
Um sich an dir, Vergessenen, zu r ä c h
e n.
ALKMENE: Entsetzlich!
JUPITER: Fürchte nichts. Er straft nicht mehr dich,
Als du
verdient. Doch künftig wirst du immer
Nur ihn, versteh, der dir zu Nacht
erschien,
An seinem Altar denken, und nicht mich.
ALKMENE: Wohlan! Ich schwör's dir heilig zu! Ich weiß
Auf jede
Miene, wie er ausgesehn,
Und werd ihn nicht mit dir verwechseln.
JUPITER: Das tu. Sonst wagst du, daß er wiederkömmt.
So oft du
seinen Namenszug erblickst,
Dem Diadem verzeichnet, wirst du
seiner
Erscheinung auf das Innigste gedenken;
Dich der Begebeheit auf
jeden Zug erinnern;
Erinnern, wie vor dem Unsterblichen
Der Schreck am
Rocken dich durchzuckt; wie du
Das Kleinod von ihm eingetauscht; wer
dir
Beim Gürten hülfreich war, und was
Beim Ortolan geschehn. Und stört
dein Gatte dich,
So bittest du ihn freundlich, daß er dich
Auf eine Stunde
selbst dir überlasse.
ALKMENE: Gut, gut, du sollst mit mir zufrieden sein.
Es soll in
jeder ersten Morgenstunde
Auch kein Gedanke fürder an dich denken:
Jedoch
nachher vergeß ich Jupiter.
JUPITER: Wenn also jetzt in seinem vollen Glanze,
Gerührt durch so
viel Besserung,
Der ewg' Erschütterer der Wolken sich dir
zeigte,
Geliebte! sprich, wie würdest du dich fassen?
ALKMENE: Ach, der furchtbare Augenblick! hätt ich
Doch immer ihn
gedacht nur beim Altar,
Da er so wenig von dir unterschieden.
JUPITER: Du sahst noch sein unsterblich Antlitz nicht,
Alkmene.
Ach, es wird das Herz vor ihm
In tausendfacher Seligkeit dir aufgehn.
Was
du ihm fühlen wirst, wird Glut dir dünken,
Und Eis, was du Amphitryon
empfindest.
Ja, wenn er deine Seele jetzt berührte,
Und zum Olymp nun
scheidend wiederkehrt,
So wirst du das Unglaubliche erfahren,
Und weinen,
daß du ihm nicht folgen darfst.
ALKMENE: Nein, nein, das glaube nicht, Amphitryon.
Und könnt ich
einen Tag zurücke leben,
Und mich vor allen Göttern und Heroen
In meine
Klause riegelfest verschließen,
So willigt ich -
JUPITER: Wahrhaftig? tätst du das?
ALKMENE: So willigt ich von ganzem Herzen ein.
JUPITER für sich: Verflucht der Wahn, der mich hierher
gelockt!
ALKMENE: Was ist dir? zürnst du? Kränkt ich dich, Geliebter?
JUPITER: Du wolltest ihm, mein frommes Kind,
Sein ungeheures Dasein
nicht versüßen?
Ihm deine Brust verweigern, wenn sein Haupt,
Das
weltenordnende, sie sucht,
Auf seinen Flaumen auszuruhen? Ach
Alkmene!
Auch der Olymp ist öde ohne Liebe.
Was gibt der Erdenvölker
Anbetung
Gestürzt in Staub, der Brust, der lechzenden?
E r will geliebt
sein, nicht ihr Wahn von ihm.
In ew'ge Schleier eingehüllt,
Möcht er sich
selbst in einer Seele spiegeln,
Sich aus der Träne des Entzückens
widerstrahlen.
Geliebte, sieh! So viele Freude schüttet
Er zwischen Erd
und Himmel endlos aus;
Wärst du vom Schicksal nun bestimmt
So vieler
Millionen Wesen Dank,
Ihm seine ganze Fordrung an die Schöpfung
In einem
einzgen Lächeln auszuzahlen,
Würdst du dich ihm wohl - ach! ich kanns nicht
denken,
Laß michs nicht denken - laß -
ALKMENE: Fern sei von mir,
Der Götter großem Ratschluß mich zu
sträuben.
Ward ich so heilgem Amte auserkoren,
Er, der mich schuf, er
walte über mich,
Doch -
JUPITER: Nun? -
ALKMENE: Läßt man die Wahl mir -
JUPITER: Läßt man dir -?
ALKMENE: Die Wahl, so bliebe meine Ehrfurcht ihm,
Und meine Liebe
dir, Amphitryon.
JUPITER: Wenn ich nun dieser Gott dir wär -?
ALKMENE: Wenn du
- Wie ist mir denn? Wenn du mir dieser Gott
wärst
- - Ich weiß nicht, soll ich vor dir niederfallen,
Soll ich es
nicht? Bist dus mir? Bist dus mir?
JUPITER: Entscheide du. Amphitryon bin ich.
ALKMENE: Amphitryon -
JUPITER: Amphitryon, dir ja.
Doch wenn ich, frag ich, dieser Gott
dir wäre,
Dir liebend vom Olymp herabgestiegen,
Wie würdest du dich dann
zu fassen wissen?
ALKMENE: Wenn du mir, Liebster, dieser Gott wärst - ja,
So wüßt ich
nicht, wo mir Amphitryon wäre,
So würd ich folgen dir, wohin du gehst,
Und
wärs auch, wie die Euridike, zum Orkus.
JUPITER: Wenn du nicht wüßtest, wo Amphitryon wäre.
Doch wie, wenn
sich Amphitryon jetzt zeigte?
ALKMENE: Wenn sich Amphitryon mir - ach, du quälst mich.
Wie kann
sich auch Amphitryon mir zeigen,
Da ich Amphitryon in Armen halte?
JUPITER:
Und dennoch könntst du leicht den Gott in Armen
halten,
Im Wahn, es sei Amphitryon.
Warum soll dein Gefühl dich
überraschen?
Wenn ich, der Gott, dich hier umschlungen hielte,
Und jetzo
dein Amphitryon sich zeigte,
Wie würd dein Herz sich wohl erklären?
ALKMENE: Wenn du, der Gott, mich hier umschlungen hieltest
Und
jetzo sich Amphitryon mir zeigte,
Ja - dann so traurig würd ich sein, und
wünschen,
Daß er der Gott mir wäre, und daß du
Amphitryon mir bliebst, wie
du es bist.
JUPITER: Mein süßes, angebetetes Geschöpf!
In dem so selig ich
mich, selig preise!
So urgemäß, dem göttlichen Gedanken,
In Form und Maß,
und Sait und Klang,
Wie's meiner Hand Äonen nicht entschlüpfte!
ALKMENE: Amphitryon!
JUPITER: Sei ruhig, ruhig, ruhig!
Es wird sich alles dir zum Siege
lösen.
Es drängt den Gott Begier, sich dir zu zeigen,
Und ehe noch des
Sternenheeres Reigen
Herauf durchs stille Nachtgefilde zieht,
Weiß deine
Brust auch schon, wem sie erglüht -
Sosias!
SOSIAS: Herr!
JUPITER: Auf jetzt, mein treuer Diener,
Auf daß sich dieser Tag
verherrliche!
Alkmene hat sich liebend mir versöhnt:
Und du, du gehst, und
rufst zu einem Feste
Im Lager mir, wo du sie triffst, die Gäste.
Beide
ab.
CHARIS für sich: Was hast du da gehört, Unselige?
Olympsche
Götter wären es gewesen?
Und der sich für Sosias hier mir gibt,
Der wäre
einer der Unsterblichen,
Apollon, Hermes oder Ganymed?
SOSIAS für sich: Der Blitzgott! Zeus soll es gewesen sein.
CHARIS für sich: Pfui, schäme dich, wie du dich aufgeführt.
SOSIAS für sich: Mein Seel, er war nicht schlecht
bedient.
Ein Kerl, der seinen Mann stund, und sich
Für seinen Herrn
schlug, wie ein Panthertier.
CHARIS für sich: Wer weiß auch, irr ich nicht. Ich muß ihn
prüfen.
Laut: Komm, laß uns Frieden machen auch, Sosias.
SOSIAS:Ein andermal. Jetzt ist nicht Zeit dazu.
CHARIS: Wo gehst du hin?
SOSIAS: Ich soll die Feldherrn rufen.
CHARIS: Vergönne mir ein Wort vorher, mein Gatte.
SOSIAS: Dein Gatte -? O, recht gern.
CHARIS: Hast du gehört,
Daß in der Dämmerung zu meiner Fürstin
gestern,
Und ihrer treuen Dienerin,
Zwei große Götter vom Olymp
gestiegen,
Daß Zeus, der Gott der Wolken, hier gewesen,
Und Phöbus ihn,
der herrliche, begleitet?
SOSIAS: Ja wenns noch wahr ist. Leider hört ichs,
Charis.
Dergleichen Heirat war mir stets zuwider.
CHARIS: Zuwider? Warum das? Ich wüßte nicht -
SOSIAS: Hm! Wenn ich dir die Wahrheit sagen soll,
Es ist wie Pferd
und Esel.
CHARIS: Pferd und Esel!
Ein Gott und eine Fürstin! Für sich:
Der auch kömmt
Wohl vom Olymp nicht. Laut: Du beliebst
Mit deiner
schlechten Dienerin zu scherzen.
Solch ein Triumph, wie über uns
gekommen,
Ward noch in Theben nicht erhört.
SOSIAS: Mir für mein Teil, schlecht ist er mir bekommen.
Und ein
gemeßnes Maß von Schande wär mir
So lieb, als die verteufelten
Trophäen,
Die mir auf beiden Schultern prangen. -
Doch ich muß eilen.
CHARIS: Ja, was ich sagen wollte -
Wer träumte, solche Gäste zu
empfangen?
Wer glaubte in der schlechten Menschen Leiber
Zwei der
Unsterblichen auch eingehüllt.
Gewiß, wir hätten manche gute Seite,
Die
unachtsam zu Innerst blieb, mehr hin
Nach außen wenden können, als geschehn
ist.
SOSIAS: Mein Seel, das hätt ich brauchen können, Charis.
Denn du
bist zärtlich gegen mich gewesen,
Wie eine wilde Katze. Beßre dich.
CHARIS: Ich wüßte nicht, daß ich dich just beleidigt?
Dir mehr
getan als sich -
SOSIAS: Mich nicht beleidigt?
Ich will ein Schuft sein, wenn du
heute morgen
Nicht Prügel, so gesalzene verdient,
Als je herab sind auf
ein Weib geregnet.
CHARIS: Nun was - Was ist geschehen denn?
SOSIAS: Was geschehen ist,
Maulaffe? Hast du nicht gesagt, du
würdest
Dir den Thebaner holen, den ich jüngst
Schon, den Halunken, aus
dem Hause warf?
Nicht mir ein Hörnerpaar versprochen? Nicht
Mich einen
Hahnrei schamlos tituliert?
CHARIS: Ei, Scherz! Gewiß!
SOSIAS: Ja, Scherz! Kömmst du
Mit diesem Scherz mir wieder, prell
ich dir,
Hol mich der Teufel, eins -!
CHARIS: O Himmel! Wie geschieht mir?
SOSIAS: Der Saupelz!
CHARIS: Blicke nicht so grimmig her!
Das Herz in Stücken fühl ich
mir zerspalten!
SOSIAS: Pfui, schäme dich, du Gotteslästerliche!
So deiner heilgen
Ehepflicht zu spotten!
Geh mach dich solcher Sünd nicht mehr
teilhaftig,
Das rat ich dir - und wenn ich wiederkomme,
Will ich gebratne
Wurst mit Kohlköpf' essen.
CHARIS: Was du begehrst: Was säum ich auch noch länger?
Was zaudr'
ich noch? Ist ers nicht? Ist ers nicht?
SOSIAS: Ob ich es bin?
CHARIS: Sieh mich im Staub.
SOSIAS: Was fehlt dir?
CHARIS: Sieh mich zerknirscht vor dir im Staube liegen.
SOSIAS: Bist du von Sinnen?
CHARIS: Ach du bists! du bists!
SOSIAS: Wer bin ich?
CHARIS: Ach was leugnest du dich mir.
SOSIAS: Ist heute alles rasend toll?
CHARIS: Sah ich
Aus deines Auges Flammenzorne nicht
Den
fernhintreffenden Apollon strahlen?
SOSIAS: Apollon, ich? bist du des Teufels? - Der eine
Macht mich
zum Hund, der andre mich zum Gott? -
Ich bin der alte, wohlbekannte
Esel
Sosias! Ab.
CHARIS: Sosias? Was? Der alte,
Mir wohlbekannte Esel du,
Sosias?
Halunke, gut, daß ich das weiß,
So wird die Bratwurst heute dir
nicht heiß. Ab
AMPHITRYON: Wie widerlich mir die Gesichter sind
Von diesen
Feldherrn. Jeder hat mir Glückwunsch
Für das erfochtne Treffen
abzustatten,
Und in die Arme schließen muß ich jeden,
Und in die Höle
jeden fluch ich hin.
Nicht einer, dem ein Herz geworden wäre,
Das meine,
volle, dain auszuschütten.
Daß man ein Kleinod aus versiegeltem
Behältnis
wegstiehlt ohne Siegellösung,
Seis; Taschenspieler können uns von
fern
Hinweg, was wir in Händen halten, gaunern.
Doch daß man einen Mann
Gestalt und Art
Entwendet, und bei seiner Frau für voll bezahlt,
Das ist
ein leidges Höllenstück des Satans.
In Zimmern, die vom Kerzenlicht
erhellt,
Hat man bis heut mit fünf gesunden Sinnen
In seinen Freunden
nicht geirret; Augen,
Aus ihren Höhlen auf den Tisch gelegt,
Von Leib
getrennte Glieder, Ohren, Finger,
Gepackt in Schachteln, hätten
hingereicht,
Um einen Gatten zu erkennen. Jetzo wird man
Die Ehemänner
brennen, Glocken ihnen,
Gleich Hämmeln um die Hälse hängen müssen.
Zu
argem Trug ist sie so fähig just,
Wie ihre Turgeltaub; eh will ich an
Die
Redlichkeit dem Strick entlaufner Schelme,
Als an die Tücke dieses Weibes
glauben.
- Verrückt ist sie, und morgen, wenn der Tag graut,
Werd ich
gewiß nach Ärzten schicken müssen.
- Fänd nur Gelegenheit sich,
anzuknüpfen.
MERKUR für sich: Auf dies verliebte Erdenabenteuer
Dir,
alter Vater Jupiter, zu folgen,
Es ist ein wahres Freundschaftsstück
Merkurs.
Beim Styx! Mir machts von Herzen Langeweile.
Denn jener Zofe
Charis täuschender
Als es vonnöten, den Gemahl zu spielen,
So groß in
dieser Sach ist nicht mein Eifer.
- Ich will mir hier ein Abenteuer suchen,
Und toll den einfersüchtgen Kauz dort machen.
AMPHITRYON: Warum verriegelt man am Tage denn dies Haus?
MERKUR: Holla! Geduld! Wer klopfet?
AMPHITRYON: Ich.
MERKUR: Wer? Ich!
AMPHITRYON: Ah! Öffne!
MERKUR: Öffne! Tölpel! Wer denn bist du,
Der solchen Lärm verführt,
und so mir spricht?
AMPHITRYON: Ich glaub du kennst mich nicht?
MERKUR: O ja;
Ich kenne jeden der die Klinke drückt.
- Ob ich
ihn kenne!
AMPHITRYON: Hat ganz Theben heut
Tollwurz gefressen, den Verstand
verloren? -
Sosias! he! Sosias!
MERKUR: Ja, Sosias!
So heiß ich. Schreit der Schuft nicht meinen
Namen,
Als ob er sorgt', ich möcht ihn sonst vergessen.
AMPHITRYON: Gerechte Götter! Mensch! Siehst du mich nicht?
MERKUR: Vollkommen.
Was gibts?
AMPHITRYON: Hanlunke! Was es gibt?
MERKUR: Was gibt's denn nicht,
Zum Teufel? Sprich, soll man dir
Rede stehn. ;
AMPHITRYON: Du Hundsfott wart! Mit einem Stock da oben
Lehr ich
dich, solche Sprache mit mir führen.
MERLUR: Ho, ho! Da unten ist ein
ungeschliffner Riegel.
Nimms nicht für ungut.
AMPHITRYON: Teufel!
MERKUR: Fasse dich.
AMPHITRYON: Heda! Ist niemand hier zu Hause?
MERKUR: Philippus! Charmion! Wo steckt ihr denn!
AMPHITRYON: Der Niederträchtige!
MERKUR: Man muß dich doch bedienen.
Doch harrst du in Geduld nicht,
bis sie kommen,
Und rührst mir noch ein einzigs Mal
Den Klöpfel an, so
schick ich von hier oben
Dir eine sausende Gesandtschaft zu.
AMPHITRYON: Der Freche! Der Schamlose, der! Ein Kerl,
Den ich mit
Füßen oft getreten; ich
Wenn mir die Lust kommt, kreuzgen lassen könnte.
-
MERKUR: Nun? bist du fertig? Hast du mich besehen?
Hast du mit
deinen stieren Augen bald
Mich ausgemessen? Wie er auf sie reißt!
Wenn man
mit Blicken um sich beißen könnte,
Er hätte mich bereits zerrissen hier.
AMPHITRYON: Ich zittre selbst, Sosias, wenn ich denke,
Was du mit
diesen Reden dir bereitest.
Wie viele Schläg entsetzlich warten dein!
-
Komm, steig herab, und öffne mir.
MERKUR: Nun endlich!
AMPHITRYON: Laß mich nicht länger warten, ich bin dringend.
MERKUR: Erfährt man doch, was dein Begehren ist.
Ich soll die
Pforte unten öffnen?
AMPHITRYON: Ja.
MERKUR: Nun gut. Das kann man auch mit Gutem sagen
Wen suchst
du?
AMPHITRYON: Wen ich suche?
MERKUR: Wen du suchst,
Zum Teufel! bist du taub? Wen willst du
sprechen?
AMPHITRYON:
Wen ich will sprechen? Hund! ich trete alle
Knochen
Dir ein, wenn sich das Haus mir öffnet.
MERKUR: Freund, weißt du was? Ich rat dir, daß du gehst.
Du reizest
mir die Galle. Geh, geh, sag ich.
AMPHITRYON: Du sollst, du Niederträchtiger, erfahren,
Wie man mit
einem Knecht verfährt,
Der seines Herren spottet.
MERKUR: Seines Herrn?
Ich spotte meines Herrn? Du wärst mein Herr?
-
AMPHITRYON: Jetzt hör ich noch, daß ers mir leugnet.
MERKUR: Ich kenne
Nur einen, und das ist Amphitryon.
AMPHITRYON: Und wer ist außer mir Amphitryon,
Triefäug'ger Schuft,
der Tag und Nacht verwechselt?
MERKUR: Amphitryon?
AMPHITRYON: Amphitryon, sag ich.
MERKUR: Ha, ha! O ihr Thebaner, kommt doch her.
AMPHITRYON: Daß mich die Erd erstrafft'! Solch eine Schmach!
MERKUR: Hör, guter Freund dort! Nenn mir doch die Kneipe
Wo du so
selig dich gezecht!
AMPHITRYON: O Himmel!
MERKUR: Wars junger oder alter Wein?
AMPHITRYON: Ihr Götter!
MERKUR: Warum nicht noch ein Gläschen mehr? Du hättest
Zum König
von Ägypten dich getrunken!
AMPHITRYON: Jetzt ist es aus mit mir.
MERKUR: Geh, lieber Junge,
Du tust mir leid. Geh, lege dich aufs
Ohr. ;
Hier wohnt Amphitryon, Thebanerfeldherr,
Geh, störe seine Ruhe
nicht.
AMPHITRYON: Was? dort im Hause wär Amphitryon?
MERKUR: Hier in dem Hause ja, er und Alkmene.
Geh, sag ich noch
einmal, und hüte dich
Das Glück der beiden Liebenden zu stören,
Willst du
nicht, daß er selber dir erscheine,
Und deine Unverschämtheit strafen soll.
Ab.
x11
AMPHITRYON: Was für ein Schlag fällt dir,
Unglücklicher!
Vernichtend ist er, es ist aus mit mir.
Begraben bin ich
schon, und meine Witwe
Schon einem andern Ehgemahl verbunden.
Welch ein
Entschluß ist jetzo zu ergreifen?
Soll ich die Schande, die mein Haus
getroffen,
Der Welt erklären, soll ich sie verschweigen?
Was! Hier ist
nichts zu schonen. Hier ist nichts
In dieser Ratsversammlung laut, als
die
Empfindung nur, die glühende, der Rache,
Und meine einzge zarte
Sorgfalt sei,
Daß der Verräter lebend nicht entkomme.
SOSIAS: Hier seht Ihr alles Herr, was ich an Gästen
In solcher Eil
zusammenbringen konnte.
Mein Seel, speis ich auch nicht an Eurer
Tafel,
Das Essen hab ich doch verdient.
AMPHITRYON: Ah sieh! da bist du.
SOSIAS: Nun?
AMPHITRYON: Hund! Jetzo stirbst du.
SOSIAS: Ich? Sterben?
AMPHITRYON: Jetzt erfährst du, wer ich bin.
SOSIAS: Zum Henker, weiß ichs nicht?
AMPHITRYON: Du wußtest es, Verräter?
Er legt die Hand an den
Degen.
SOSIAS: Ihr Herren, nehmt euch meiner an, ich bitt euch.
ERSTER
FELDHERR:
Verzeiht! Er fällt ihm in den Arm.
AMPHITRYON: Laßt mich.
SOSIAS: Sagt nur, was ich verbrochen?
AMPHITRYON:
Das fragst du noch? - Fort, sag ich euch, laßt
meiner
Gerechten Rache ein Genüge tun.
SOSIAS: Wenn man wen hängt, so sagt man ihm, warum?
ERSTER
FELDHERR: Seid so gefällig.
ZWEITER FELDHERR: Sagt, worin er fehlte.
SOSIAS: Halt't euch, ihr Herrn, wenn ihr so gut sein wollt.
AMPHITRYON: Was! Dieser weggeworfne Knecht soeben
Hielt vor dem
Antlitz mir die Türe zu,
Schamlose Red' in Strömen auf mich
sendend,
Jedwede wert, daß man ans Kreuz ihn nagle.
Stirb, Hund!
SOSIAS: Ich bin schon tot. Er sinkt in die Knie.
ERSTER
FELDHERR: Beruhigt Euch.
SOSIAS: Ihr Feldherrn! Ah!
ZWEITER FELDHERR: Was gibts?
SOSIAS: Sticht er nach mir?
AMPHITRYON: Fort sag ich euch, und wieder! Ihm muß Lohn
Dort,
vollgezählter, werden für die Schmach,
Die er zur Stunde jetzt mir
zugefügt.
SOSIAS: Was kann ich aber jetzt verschuldet haben,
Da ich die
letzten neun gemeßnen Stunden
Auf Eueren Befehl im Lager war?
ERSTER
FELDHERR: Wahr ists. Er lud zu Eurer Tafel uns.
Zwei Stunden sinds, daß er im
Lager war,
Und nicht aus unsern Augen kam.
AMPHITRYON: Wer gab dir den Befehl?
SOSIAS: Wer? Ihr! Ihr selbst!
AMPHITRYON: Wann? Ich!
SOSIAS: Nachem Ihr mit Alkmenen Euch versöhnt.
Ihr wart voll Freud
und ordnetet sogleich
Ein Fest im ganzen Schlosse an.
AMPHITRYON: O Himmel! Jede Stunde, jeder Schritt
Führt tiefer mich
ins Labyrinth hinein.
Was soll ich, meine Freunde, davon denken?
Habt ihr
gehört, was hier sich zugetragen?
ERSTER FELDHERR: Was hier uns dieser sagte,
ist so wenig
Für das Begreifen noch gemacht, daß Eure Sorge
Für jetzt nur
sein muß, dreisten Schrittes
Des Rätsels ganzes Trugnetz zu zerreißen.
AMPHITRYON: Wohlan, es sei! Und eure Hülfe brauch ich,
Euch hat
mein guter Stern mir zugeführt.
Mein Glück will ich, mein Lebensglück,
versuchen.
O! hier im Busen brennts, mich aufzuklären,
Und ach! ich fürcht
es, wie den Tod. Er klopft.
JUPITER: Welch ein Geräusch zwingt mich, herabzusteigen?
Wer klopft
ans Haus? Seid ihr es, meine Feldherrn?
AMPHITRYON: Wer bist du? Ihr allmmächtgen Götter!
ZWEITER
FELDHERR:
Was seh ich? Himmel! Zwei Amphitryonen.
AMPHITRYON: Starr ist vor Schrecken meine ganze Seele!
Weh mir! Das
Rätsel ist nunmehr gelöst.
ERSTER FELDHERR: Wer von euch beiden ist
Amphitryon?
ZWEITER FELDHERR:
Fürwahr! Zwei so einander nachgeformte
Wesen,
Kein menschlich Auge unterscheidet sie.
SOSIAS: Ihr Herrn, hier ist Amphitryon, der andre,
Ein Schubiack
ists, der Züchtigung verdient.
Er stellt sich auf Jupiters Seite.
DRITTER
FELDHERR auf Amphitryon deutend:
Unglaublich! Dieser ein Verfälscher
hier?
AMPHITRYON: G'nug der unwürdigen Bezauberung!
Ich schließe das
Geheimnis auf.
Er legt die Hand an den Degen.
ERSTER
FELDHERR:
Halt!
AMPHITRYON: Laßt mich!
ZWEITER FELDHERR: Was beginnt Ihr?
AMPHITRYON: Strafen will ich
Den niederträchtigsten Betrug! Fort,
sag ich.
JUPITER: Fassung dort. Hier bedarf es nicht des Eifers,
Wer so
besorgt um seinen Namen ist,
Wird schlechte Gründe haben, ihn zu führen.
SOSIAS: Das sag ich auch. Er hat den Bauch
Sich ausgestopft, und
das Gesicht bemalt,
Der Gauner, um dem Hausherrn gleich zu sehn.
AMPHITRYON: Verräter! Dein empörendes Geschwätz,
Dreihundert
Peitschenhiebe strafen es,
Dir von drei Armen wechselnd zugeteilt.
SOSIAS: Ho, ho! Mein Herr ist Mann von Herz,
Der wird dich lehren
seine Leute schlagen.
AMPHITRYON: Wehrt mir nicht länger, sag ich, meine Schmach
In des
Verräters Herzblut abzuwaschen.
ERSTER FELDHERR:
Verzeiht uns, Herr! Wir
dulden diesen Kampf nicht,
Amphitryons mit dem Amphitryon.
AMPHITRYON: Was? Ihr - Ihr duldet nicht -?
ERSTER FELDHERR: Ihr
müßt Euch fassen.
AMPHITRYON: Ist das mir eure Freundschaft auch, ihr Feldherrn?
Das
mir der Beistand, den ihr angelobt?
Statt meiner Ehre Rache selbst zu
nehmen,
Ergreift ihr des Betrügers schnöde Sache,
Und hemmt des
Racheschwerts gerechten Fall?
ERSTER FELDHERR: Wär Euer Urteil frei, wie es
nicht ist,
Ihr würdet unsre Schritte billigen.
Wer von euch beiden ist
Amphitryon?
Ihr seid es, gut; doch jener ist es auch.
Wo ist des Gottes
Finger, der uns zeigte,
In welchem Busen, einer wie der andre,
Sich
laurend das Verräterherz verbirgt?
Ist es erkannt, so haben wir, nicht
zweifelt,
Das Ziel auch unsrer Rache aufgefunden.
Jedoch so lang des
Schwertes Schneide hier
In blinder Wahl nur um sich wüten könnte,
Bleibt
es gewiß noch besser in der Scheide.
Laßt uns in Ruh die Sache
untersuchen,
Und fühlt Ihr wirklich Euch Amphitryon,
Wie wir in diesem
sonderbaren Falle
Zwar hoffen, aber auch bezweifeln müssen,
So wird es
schwerer Euch, als ihm, nicht werden,
Uns diesen Umstand gültig zu
beweisen.
AMPHITRYON: Ich euch den Umstand? -
ERSTER FELDHERR: Und mit
triftgen Gründen.
Eh wird in dieser Sache nichts geschehn.
JUPITER: Recht hast du, Photidas; und diese Gleichheit,
Die
zwischen uns sich angeordnet findet,
Entschuldigt dich, wenn mir dein Urteil
wankt.
Ich zürne nicht, wenn zwischen mir und ihm
Hier die Vergleichung an
sich stellen soll.
Nichts von des Schwertes feigherziger
Entscheidung.
Ganz Theben denk ich selber zu berufen,
Und in des Volks
gedrängtester Vesammlung,
Aus wessen Blut ich stamme, darzutun.
Er selber
dort soll meines Hauses Adel,
Und daß ich Herr in Theben, anerkennen.
Vor
mir in Staub, das Antlitz soll er senken.
Mein soll er Thebens reiche Felder
alle,
Mein alle Herden, die die Triften decken,
Mein auch dies Haus, mein
die Gebieterin,
Die still in seinen Räumen waltet, nennen.
Es soll der
ganze Weltenkreis erfahren,
Daß keine Schmach Amphitryon getroffen.
Und
den Verdacht, den jener Tor erregt,
Hier steht, wer ihn zu Schaden machen
kann. -
Bald wird sich Theben hier zusammenfinden.
Indessen kommt und ehrt
die Tafel gütigst,
Zu welcher euch Sosias eingeladen.
SOSIAS: Mein Seel, ich wußt es wohl. - Dies Wort, ihr Herrn,
Streut
allen weitern Zweifel in die Lüfte.
Der ist der wirkliche Amphitryon.
Bei
dem zu Mittag jetzt gegessen wird.
AMPHITRYON: Ihr ewgen und gerechten Götter!
Kann auch so tief ein
Mensch erniedrigt werden?
Von dem verruchtesten Betrüger mir
Weib, Ehre,
Herrschaft, Namen stehlen lassen!
Und Freunde binden mir die Hände?
ERSTER
FELDHERR:
Ihr müßt, wer Ihr auch seid, Euch noch gedulden.
In wenig
Stunden wissen wirs. Alsdann
Wird ungesäumt die Rache sich
vollstrecken,
Und wehe! ruf ich, wen sie trifft.
AMPHITRYON: Geht, ihr Schwachherzge! Huldigt dem Verräter!
Mir
bleiben noch der Freunde mehr, als ihr.
Es werden Männer noch in Theben mir
begegnen,
Die meinen Schmerz im Busen mitempfinden,
Und nicht den Arm mir
weigern, ihn zu rächen.
JUPITER: Wohlan! Du rufst sie. Ich erwarte sie.
AMPHITRYON: Marktschreierischer Schelm! Du wirst inzwischen
Dich
durch die Hintertür zu Felde machen.
Doch meiner Rach entfliehst du
nicht!
JUPITER: Du gehst, und rufst, und bringst mir deine
Freunde,
Nachher sag ich zwei Worte, jetzo nichts.
Amphitryon:
Beim
Zeus, da sagst du wahr, dem Gott der Wolken!
Denn ist es mir bestimmt, dich
aufzufinden,
Mehr als zwei Worte, Mordhund, sagst du nicht,
Und bis ans
Heft füllt dir das Schwert den Rachen.
JUPITER: Du rufst mir deine Freund; ich sag auch nichts,
Ich sprech
auch bloß mit Blicken wenn du willst.
AMPHITRYON: Fort, jetzo, schleunig, eh er mir entwischt!
Die Lust,
ihr Götter, müßt ihr mir gewähren,
Ihn eurem Orkus heut noch
zuzusenden!
Mit einer Schar von Freunden kehr ich wieder,
Gewaffneter, die
mir dies Haus umnetzen,
Und, einer Wespe gleich, drück ich den Stachel
Ihm
in die Brust, aussaugend, daß der Wind
Mit seinem trocknen Bein mir spielen
soll. Ab.
x12
JUPITER: Auf denn, ihr Herrn, gefällts euch! Ehrt dieses Haus
Mit
euerm Eintritt.
ERSTER FELDHERR: Nun, bei meinem Eid!
Dies Abenteu'r macht
meinen Witz zu Schanden.
SOSIAS: Jetzt schließt mit dem Erstaunen Waffenstillstand,
Und
geht, und tischt, und pokuliert bis morgen.
Jupiter und die Feldherrn ab.
SOSIAS: Wie ich mich jetzt auch auf den Stuhl will setzen!
Und wie
ich tapfer,
Wenn man vom Kriege spricht, erzählen will.
Ich brenne, zu
berichten, wie man bei
Pharissa eingehauen; und mein Lebtag
Hatt ich noch
so wolfmäßgen Hunger nicht.
MERKUR: Wohin? Ich glaub, du steckst die Nase auch
hierher?
Durchschnüffler, unverschämter, du, der Küchen?
SOSIAS: Nein! - Mit Erlaubnis!
MERKUR: Fort! Hinweg dort, sag ich!
Soll ich die Haube dir zurechte
setzen?
SOSIAS: Wie? Was? Großmütiges und edles Ich,
Faß dich! Verschon ein
wenig den Sosias,
Sosias! Wer wollte immer bitterlich
Erpicht sein, auf
sich selber loszuschlagen?
MERKUR: Du fällst in deine alten Tücken wieder?
Du nimmst,
Nichtswürdiger, den Namen mir?
Den Namen des Sosias mir?
SOSIAS: Ei, was! Behüt mich Gott, mein wackres Selbst,
Werd ich so
karg dir, so mißgünstig sein?
Nimm ihn, zur Hälfte, diesen Namen hin,
Nimm
ihn, den Plunder, willst dus, nimm ihn ganz.
Und wärs der Name Kastor oder
Pollux,
Was teilt ich gern nicht mit dir, Bruderherz?
Ich dulde dich in
meines Herren Hause,
Duld auch du mich in brüderlicher Liebe,
Und während
jene beiden eifersüchtgen
Amphitryonen sich die Hälse brechen,
Laß die
Sosias einverständig beide
Zu Tische sitzen, und die Becher
heiter
Zusammenstoßen, daß sie leben sollen!
MERKUR: Nichts, nichts! - Der aberwitzge Vorschlag der!
Soll ich
inzwischen Hungerpfoten saugen?
Es ist für einen nur gedeckt.
SOSIAS: Gleichviel! Ein mütterlicher Schoß hat uns
Geboren, e i n e
Hütte uns beschirmt,
In e i n e m Bette haben wir geschlafen,
E i n Kleid
ward brüderlich, e i n Los uns beiden,
So laß uns auch aus e i n e r Schüssel
essen.
MERKUR: Von der Gemeinschaft weiß ich nichts. Ich bin
Von Jugend
mutterseel' allein gewesen,
Und weder Bette hab ich je, noch Kleid,
Noch
einen Bissen Brot geteilt.
SOSIAS: Besinne dich. Wir sind zwei Zwillingsbrüder.
Du bist der
ältre, ich bescheide mich.
Du wirst in jedem Stück voran mir gehen.
Den
ersten nimmst du, und die ungeraden,
Den zweiten Löffel, und die graden,
ich.
MERKUR: Nicht. Meine volle Portion gebrauch ich,
Und was mir übrig
bleibt, das heb ich auf.
Den wollt ich lehren, bei den großen Göttern,
Der
mit der Hand mir auf den Teller käme.
SOSIAS: So dulde mich als deinen Schatten mindstens,
Der hintern
Stuhl entlang fällt, wo du ißt.
MERKUR: Auch nicht als meine Spur im Sande! Fort!
SOSIAS: O du barbarisch Herz! Du Mensch von Erz,
Auf einem Amboß
keilend ausgeprägt!
MERKUR: Was denkst du, soll ich wie ein wandernder
Geselle vor dem
Tor ins Gras mich legen,
Und von der blauen Luft des Himmels leben?
Ein
reichlich zugemeßnes Mahl hat heut
Bei Gott! kein Pferd so gut verdient, als
ich.
Kam ich zu Nacht nicht aus dem Lager an?
Mußt ich zurück nicht wieder
mit dem Morgen,
Um Gäste für die Tafel aufzutreiben?
Hab ich auf diesen
Teufelsreisen mir
Nich die geschäftgen alten Beine fast
Bis auf die Hüften
tretend abgelaufen?
Wurst gibt es heut, und aufgewärmten Kohl.
Und die
just brauch ich, um mich herzustellen.
SOSIAS: Da hast dur recht. Und über die verfluchten
Kienwurzeln,
die den ganzen Weg durchflechten,
Bricht man die Beine fast sich, und den
Hals.
MERKUR: Nun also!
SOSIAS: - Ich Verlaßner von den Göttern!
Wurst also hat die Charis
-?
MERKUR: Frische, ja.
Doch nicht für dich. Man hat ein Schwein
geschlachtet.
Und Charis hab ich wieder gut gemacht.
SOSIAS: Gut, gut. Ich lege mich ins Grab. Und Kohl?
MERKUR: Kohl, aufgewärmten, ja. Und wem das Wasser
Im Mund etwa
zusammenläuft, der hat
Von mir und Charis sich in acht zu nehmen.
SOSIAS: Vor mir freßt euren Kohl, daß ihr dran stickt.
Was brauch
ich eure Würste? Wen den Vögeln
Im Himmel Speisung reicht, wird auch, so denk
ich,
Den alten ehrlichen Sosias speisen.
MERKUR: Du gibst, Verräter, dir den Namen noch?
Du wagst, Hund,
niederträchtger -!
SOSIAS: Ei was! Ich sprach von mir nicht.
Ich sprach von einem
alten Anverwandten
Sosias, der hier sonst in Diensten stand -
Und der die
andern Diener sonst zerbleute,
Bis eines Tags ein Kerl, der wie aus den
Wolken fiel,
Ihn aus dem Haus warf, just zur Essenszeit.
MERKUR: Nimm dich in acht, sag ich, und weiter nichts.
Nimm dich in
acht, rat ich dir, willst du länger
Zur Zahl noch der Lebendigen dich
zählen.
SOSIAS für sich: Wie ich dich schmeißen würde, hätt ich
Herz,
Du von der Bank gefallner Gauner, du,
Von zuviel Hochmut
aufgebläht.
MERKUR: Was sagst du?
SOSIAS: Was?
MERKUR: Mir schien, du sagtest etwas -?
SOSIAS: Ich?
MERKUR: Du.
SOSIAS: Ich muckste nicht.
MERKUR: Ich hörte doch von schmeißen, irr ich nicht -
Und von der
Bank gefallner Gauner reden?
SOSIAS: So wirds ein Papagei gewesen sein.
Wenns Wetter gut ist,
schwatzen sie.
MERKUR: Es sei.
Du lebst jetzt wohl. Doch juckt der Rücken dir, ;
In diesem Haus hier kannst du mich erfragen. Ab.
SOSIAS: Hochmütger Satan! Möchtest du am Schwein
Den Tod dir holen,
das man schlachtete!
- "Den lehrt er, der ihm auf den Teller käme!" -
Ich
möchte eh'r mit einem Schäferhund
Halbpart, als ihm, aus einer Schüssel
essen.
Sein Vater könnte Hungers vor ihm sterben,
Daß er ihm auch so viel
nicht gönnt, als ihm
In hohlen Zähnen kauend stecken bleibt.
- Geh! dir
geschieht ganz recht, Abtrünniger.
Und hätt ich Würst in jeder Hand hier
eine,
Ich wollte sie in meinen Mund nicht stecken.
So seinen armen,
wackern Herrn verlassen,
Den Übermacht aus seinem Hause stieß.
- Dort naht
er sich mit rüstgen Freunden schon.
- Und auch von hier strömt Volk herbei!
Was gibts?
AMPHITRYON: Seid mir gegrüßt! Wer rief euch meine Freunde?
EINER
AUS DEM VOLK: Herolde riefen durch die ganze Stadt,
Wir sollten uns vor Eurem
Schloß versammeln.
AMPHITRYON: Herolde! Und zu welchem Zweck?
DERSELBE: Wir sollten
Zeugen sein, so sagte man,
Wie ein entscheidend Wort aus Eurem Munde
Das
Rätsel lösen wird, das in Bestürzung
Die ganze Stadt gesetzt.
AMPHITRYON zu den Obersten: Der Übermütge!
Kann man die
Unverschämtheit weiter treiben?
ZWEITER OBERSTER:
Zuletzt erscheint er
noch.
AMPHITRYON: Was gilts. Er tuts.
ERSTER OBERSTER: Sorgt nicht. Hier
steht Argatiphontidas.
Hab ich nur erst ins Auge ihn gefaßt,
So tanzt sein
Leben auch auf dieses Schwertes Spitze.
AMPHITRYON zum Volk: Ihr Bürger Thebens, hört mich an!
Ich
bin es nicht, der euch hieher gerufen,
Wenn eure strömende Versammlung gleich
Von Herzen mir willkommen ist. Er wars,
Der lügnerische Höllengeist, der
mich
Aus Theben will, aus meiner Frauen Herzen,
Aus dem Gedächtnis mich
der Welt, ja könnt ers,
Aus des Bewußtseins eigner Feste drängen.
Drum
sammelt eure Sinne jetzt, und wärt
Ihr tausendäugig auch, ein Argus
jeder,
Geschickt, zur Zeit der Mitternacht, ein Heimchen
Aus seiner Spur
im Sande zu erkennen,
So reißet, laßt die Müh euch nicht verdrießen,
Jetzt
eure Augen auf, wie Maulwürfe,
Wenn sie zu Mittagszeit die Sonne
suchen;
All diese Blicke werft in einen Spiegel,
Und kehrt den ganzen
vollen Strahl auf mich,
Von Kopf zu Fuß ihn auf und nieder führend,
Und
sagt mir an, und sprecht, und steht mir Rede:
Wer bin ich?
DAS VOLK: Wer
du bist? Amphitryon!
AMPHITRYON: Wohlan. Amphitryon. Es gilt. Wenn nunmehr
Dort jener
Sohn der Finsternis erscheint,
Der ungeheure Mensch, auf dessen
Haupte
Jedwedes Haar sich, wie auf meinem, krümmt;
Wenn euren
trugverwirrten Sinnen jetzt
Nicht so viel Merkmal wird, als Mütter
brauchen,
Um ihre jüngsten Kinder zu erkennen;
Wenn ihr jetzt zwischen mir
und ihm, wie zwischen
Zwei Wassertropfen, euch entscheiden müßt,
Der eine
süß und rein und echt und silbern,
Gift, Trug, und List, und Mord, und Tod
der andre:
Alsdann erinnert euch, daß ich Amphitryon,
Ihr Bürger Thebens,
bin,
Der dieses Helmes Feder eingeknickt.
VOLK: Oh! Oh! Was machst du? laß
die Feder ganz,
Solang du blühend uns vor Augen stehst.
ZWEITER OBERSTER:
Meint Ihr, wir würden auch -?
AMPHITRYON: Laßt mich, ihr Freunde.
Bei Sinnen fühl ich mich, weiß,
was ich tue.
ERSTER OBERSTER: Tut, was Ihr wollt. Inzwischen werd ich
hoffen,
Daß Ihr die Possen nicht für mich gemacht.
Wenn Eure Feldherrn
hier gezaudert haben,
Als jener Aff erschien, so folgt ein Gleiches
Noch
nicht für den Argatiphontidas.
Braucht uns ein Freund in einer
Ehrensache,
So soll ins Auge man den Helm sich drücken,
Und auf den Leib
dem Widersacher gehn.
Den Gegner lange schwadronieren hören,
Steht alten
Weibern gut; ich, für mein Teil,
Bin für die kürzesten Prozesse stets;
In
solchen Fällen fängt man damit an,
Dem Wiedersacher, ohne Federlesens,
Den
Degen querhin durch den Leib zu jagen.
Argatiphontidas, mit einem
Worte,
Wird heute Haare auf den Zähnen zeigen, ;
Und nicht von einer
andern Hand, beim Ares,
Beißt dieser Schelm ins Gras, Ihr sehts, als
meiner.
AMPHITRYON: Auf denn!
SOSIAS: Hier leg ich mich zu Euren Füßen,
Mein echter, edler und
verfolgter Herr.
Gekommen bin ich völlig zur Erkenntnis,
Und warte jetzt
auf meines Frevels Lohn.
Schlagt, ohrfeigt, prügelt, stoßt mich, tretet
mich,
Gebt mir den Tod, mein Seel ich muckse nicht.
AMPHITRYON: Steh auf. Was ist geschehen?
SOSIAS: Vom aufgetragnen Essen
Nicht den Geruch auch hat man mir
gegönnt.
Das andre Ich, das andre Ihr Bedienter,
Vom Teufel wieder völlig
wars besessen,
Und kurz ich bin entsosiatisiert,
Wie man Euch
entamphitryonisiert.
AMPHITRYON: Ihr hörts, ihr Bürger.
SOSIAS: Ja, ihr Bürger Thebens!
Hier ist der wirkliche
Amphitryon;
Und jeder, der bei Tische sitzt,
Ist wert, daß ihn die Raben
selber fressen.
Auf! Stürmt das Haus jetzt, wenn ihr wollt so gut sein,
So
finden wir den Kohl noch warm.
AMPHITRYON: Folgt mir.
SOSIAS: Doch seht. Da kommt er selber schon. Er und sie.
ALKMENE: Entsetzlicher! Ein Sterblicher sagst du,
Und schmachvoll
willst du seinem Blick dich zeigen?
VOLK: Ihr ewgen Götter! Was erblicken
wir!
JUPITER: Die ganze Welt, Geliebte, muß erfahren,
Daß n i e m a n d
deiner Seele nahte,
Als nur dein Gatte, als Amphitryon.
AMPHITRYON: Herr, meines Lebens! Die Unglückliche!
ALKMENE: Niemand! Kannst ein gefallnes Los du ändern?
DIE OBERSTEN:
All ihr Olympischen! Amphitryon dort.
JUPITER: Du bist dirs, Teuerste, du bist mirs schuldig,
Du m u ß t
, du wirst, mein Leben, dich bezwingen;
Komm, sammle dich, dein wartet ein
Triumph!
AMPHITRYON: Blitz, Höll und Teufel! Solch ein Auftritt mir?
JUPITER: Seid mir willkommen, Bürger dieser Stadt.
AMPHITRYON: Mordhund! Sie kamen dir den Tod zu geben.
Auf jetzt!
Er zieht.
ZWEITER FELDHERR tritt ihm in den Weg:
Halt
dort!
AMPHITRYON: Auf, ruf ich, ihr Thebaner!
ERSTER FELDHERR auf
Amphitryon deutend:
Thebaner, greift ihn, ruf ich, den Verräter!
AMPHITRYON: Argatiphontidas!
ERSTER OBERSTER: Bin ich
behext?
DAS VOLK: Kann sich ein menschlich Auge hier entscheiden?
AMPHITRYON: Tod! Teufel! Wut und keine Rache!
Vernichtung!
Er
fällt dem Sosias in die Arme.
JUPITER: Tor, der du bist, laß dir zwei Worte sagen.
SOSIAS: Mein Seel! Er wird schlecht hören. Er ist tot.
ERSTER
OBERSTER: Was hilft der eingeknickte Federbusch?
- "Reißt eure Augen auf, wie
Maulwürfe!"
Der ists, den seine eigne Frau erkennt.
ERSTER FELDHERR: Hier
steht, ihr Obersten, Amphitryon.
AMPHITRYON erwachend:
Wen kennt die eigne Frau
hier?
ERSTER OBERSTER: Ihn erkennt sie,
Ihn an, mit dem sie aus dem Hause
trat.
Um welchen, wie das Weinlaub, würd sie ranken,
Wenn es ihr Stamm
nicht ist, Amphitryon?
AMPHITRYON: Daß mir so viele Kraft doch wär, die Zung
In Staub zu
treten, die das sagt!
Sie anerkennt ihn nicht! Er erhebt sich
wieder.
ERSTER FELDHERR: Das lügst du dort!
Meinst du des Volkes
Urteil zu verwirren,
Wo es mit eignen Augen sieht?
AMPHITRYON: Sie anerkennt ihn nicht, ich wiederhols!
- Wenn sie als
Gatten ihn erkennen kann,
So frag ich nichts danach mehr, wer ich b i
n:
So will ich ihn Amphitryon begrüßen.
ERSTER FELDHERR:
Es gilt.
Sprecht jetzt.
ZWEITER FELDHERR: Erklärt Euch jetzo, Fürstin.
AMPHITRYON: Alkmene! Meine Braut! Erkläre dich:
Schenk mir noch
einmal deiner Augen Licht!
Sag, daß du jenen anerkennst, als Gatten,
Und
so urschnell, als der Gedanke zuckt,
Befreit dies Schwert von meinem Anblick
dich.
ERSTER FELDHERR: Wohlan! Das Urteil wird sogleich gefällt
sein
ZWEITER FELDHERR:
Kennt Ihr ihn dort?
ERSTER FELDHERR: Kennt Ihr
den Fremdling dort?
AMPHITRYON: Dir wäre dieser Bursche unbekannt,
Von dem so oft dein
Ohr dir lauschend sagte,
Wie viele Schläge liebend er dir klopft?
Du
solltest diese Töne nicht erkennen,
Die du so oft, noch eh sie laut
geworden,
Mit Blicken schon mir von der Lippe stahlst?
ALKMENE: Daß ich zu ewger Nacht versinken könnte!
AMPHITRYON: Ich wußt es wohl. Ihr sehts, ihr Bürger Thebens,
Eh
wird der rasche Peneus rückwärts fließen,
Eh sich der Bosphorus auf Ida
betten,
Eh wird das Dromedar den Ozean durchwandeln,
Als sie dort jenen
Fremdling anerkennen.
VOLK: Wärs möglich? Er, Amphitryon? Sie
zaudert.
ERSTER FELDHERR: Sprecht!
ZWEITER FELDHERR: Redet!
DRITTER
FELDHERR: Sagt uns! -
ZWEITER FELDHERR Fürstin, sprecht ein Wort! -
ERSTER
FELDHERR: Wir sind verloren, wenn sie länger schweigt.
JUPITER: Gib, gib der Wahrheit deine Stimme, Kind.
ALKMENE: Hier dieser ist Amphitryon, ihr Freunde.
AMPHITRYON: Er dort Amphitryon! Allmächtge Götter!
ERSTER FELDHERR:
Wohlan. Es fiel dein Los. Entferne dich.
AMPHITRYON: Alkmene!
ZWEITER FELDHERR: Fort Verräter: willst du
nicht,
Daß wir das Urteil dir vollstrecken sollen.
AMPHITRYON: Geliebte!
ALKMENE: Nichtswürdger! Schändlicher!
Mit diesem Namen wagst du
mich zu nennen?
Nicht vor des Gatten scheugebietendem
Antlitz bin ich vor
deiner Wut gesichert?
Du Ungeheuer! Mir scheußlicher,
Als es geschwollen
in Morästen nistet!
Was tat ich dir, daß du mir nahen mußtest,
Von einer
Höllennacht bedeckt,
Dein Gift mir auf den Fittich hinzugeifern?
Was mehr,
als daß ich, o du Böser, dir
Still, wie ein Maienwurm, ins Auge
glänzte?
Jetzt erst, was für ein Wahn mich täuscht', erblick ich.
Der
Sonne heller Lichtglanz war mir nötig,
Solch einen feilen Bau gemeiner
Knechte,
Vom Prachtwuchs dieser königlichen Glieder,
Den Farren von dem
Hirsch zu unterscheiden?
Verflucht die Sinne, die so gröblichem
Betrug
erliegen. O verflucht der Busen,
Der solche falschen Töne gibt!
Verflucht
die Seele, die nicht so viel taugt,
Um ihren eigenen Geliebten sich zu
merken!
Auf der Gebirge Gipfel will ich fliehen,
In tote Wildnis hin, wo
auch die Eule
Mich nicht besucht, wenn mir kein Wächter ist,
Der in
Unsträflickeit den Busen mir bewahrt. -
Geh! deine schnöde List ist dir
geglückt,
Und meiner Seele Frieden eingeknickt.
AMPHITRYON: Du Unglückselige! Bin ich es denn,
Der dir in der
verfloßnen Nacht erschienen?
ALKMENE: Genug fortan! Entlaß mich mein Gemahl.
Du wirst die
bitterste der Lebensstunden
Jetzt gütig mir ein wenig kürzen.
Laß diesen
tausend Blicken mich entfliehn,
Die mich wie Keulen, kreuzend
niederschlagen.
JUPITER: Du Göttliche! Glanzvoller als die Sonne!
Dein wartet ein
Triumph, wie er in Theben
Noch keiner Fürstentochter ist geworden.
Und
einen Augenblick verweilst du noch.
Zu Amphitryon:
Glaubst du
nunmehr, daß ich Amphitryon?
AMPHITRYON: Ob ich nunmehr Amphitryon dich glaube?
Du Mensch, -
entsetzlicher,
Als mir der Atem reicht, es auszusprechen! -
ERSTER
FELDHERR:
Verräter! Was? du weigerst dich?
ZWEITER FELDHERR: Du
leugnest?
ERSTER FELDHERR: Wirst du jetzt etwa zu beweisen suchen,
Daß uns
die Fürstin hinterging?
AMPHITRYON: O ihrer Worte jedes ist wahrhaftig,
Zehnfach geläutert
Gold ist nicht so wahr.
Läs ich, mit Blitzen in die Nacht,
Geschriebenes,
Und riefe Stimme mir des Donners zu,
Nicht dem Orakel würd
ich so vertraun,
Als was ihr unverfälschter Mund gesagt.
Jetzt einen Eid
selbst auf den Altar schwör ich,
Und sterbe siebenfachen Todes gleich,
Des
unerschütterlich erfaßten Glaubens,
Daß er Amphitryon ihr ist.
JUPITER: Wohlan! Du bist Amphitryon.
AMPHITRYON: Ich bins! -
Und wer bist du, furchtbarer Geist?
JUPITER: Amphitryon. Ich glaubte, daß dus wüßstest.
AMPHITRYON: Amphitryon! Das faßt kein Sterblicher.
Sei uns
verständlich.
ALKMENE: Welche Reden das?
JUPITER: Amphitryon! Du Tor! Du zweifelst noch?
Argatiphontidas und
Photidas,
Die Kadmusburg und Griechenland,
Das Licht, der Äther, und das
Flüssige,
Das was da war, was ist, und was sein wird.
AMPHITRYON: Hier, meine Freunde, sammelt euch um mich,
Und laßt uns
sehn, wie sich das Rätsel löst.
ALKMENE: Entsetzlich!
DIE FELDHERREN: Was von diesem Auftritt denkt
man?
JUPITER zu Alkmenen:
Meinst du, dir sei Amphitryon
erschienen?
ALKMENE: Laß ewig in dem Irrtum micht, soll mir
Dein Licht die
Seele ewig nicht umnachten.
JUPITER: O Fluch der Seligkeit, die du mir schenktest,
Müßt ich dir
ewig nicht vorhanden sein.
AMPHITRYON: Heraus jetzt mit der Sprache dort: Wer bist du?
Blitz
und Donnerschlag. Die Szene verhüllt sich mit Wolken. Es schwebt ein Adler mit
dem Donnerkeil aus den Wolken nieder.
JUPITER: Du willst es wissen?
Er ergreift den Donnerkeil; der Adler
entflieht.
VOLK: Götter!
JUPITER: Wer bin ich?
DIE FELDHERREN UND OBERSTEN:
Der
Schreckliche! Er selbst ists! Jupiter!
ALKMENE: Schützt mich, ihr Himmlischen!
Sie fällt in Amphitryons
Arme.
AMPHITRYON: Anbetung dir
In Staub. Du bist der große
Donnerer!
Und dein ist alles, was ich habe.
VOLK: Er ists! In Staub! In
Staub das Antlitz hin!
Alles wirft sich zur Erde außer Amphitryon.
JUPITER: Zeus hat in deinem Hause sich gefallen,
Amphitryon, und
seiner göttlichen
Zufriedenheit soll dir ein Zeichen werden.
Laß deinen
schwarzen Kummer jetzt entfliehen,
Und öffne dem Triumph dein Herz.
Was
du, in mir, dir selbst getan, wird dir
Bei mir, dem, was ich ewig bin, nicht
schaden.
Willst du in meiner Schuld den Lohn dir finden,
Wohlan, so grüß
ich freundlich dich, und scheide.
Es wird dein Ruhm fortan, wie meine
Welt,
In den Gestirnen seine Grenze haben.
Bist du mit deinem Dank
zufrieden nicht,
Auch gut: Dein liebster Wunsch soll sich erfüllen,
Und
eine Zunge geb ich ihm vor mir.
AMPHITRYON: Nein, Vater Zeus, zufrieden bin ich nicht!
Und meines
Herzens Wunsche wächst die Zunge.
Was du dem Tyndarus getan, tust du
Auch
dem Amphitryon: Schenk einen Sohn
Groß, wie die Tyndariden, ihm.
JUPITER: Es sei. Dir wird ein Sohn geboren werden,
Deß Name
Herkules: es wird an Ruhm
Kein Heros sich, der Vorwelt, mit ihm
messen,
Auch meine ewgen Dioskuren nicht.
Zwölf ungeheure Werke, wälzt er
türmend
Ein unvergänglich Denkmal sich zusammen.
Und wenn die Pyramide
jetzt, vollendet,
Den Scheitel bis zum Wolkensaum erhebt,
Steigt er auf
ihren Stufen himmelan
Und im Olymp empfang ich dann, den Gott.
AMPHITRYON: Dank dir! - Und diese hier, nicht raubst du mir?
Sie
atmet nicht. Sieh her.
JUPITER: Sie wird dir bleiben;
Doch laß sie ruhn, wenn sie dir
bleiben soll! -
Hermes!
Er verliert sich in den Wolken, welche sich
mittlerweile in der Höhe geöffnet haben, und den Gipfel des Olymps zeigen, auf
welchem die Olympischen gelagert sind.
ALKMENE: Amphitryon!
MERKUR: Gleich folg ich dir, du Göttlicher! -
Wenn ich erst jenem
Kauze dort gesagt,
Daß ich sein häßliches Gesicht zu tragen,
Nun müde bin,
daß ichs mir mit Ambrosia jetzt
Von den olympschen Wangen waschen
werde;
Daß er besingenswürdge Schläg empfangen,
Und daß ich mehr und
minder nicht, als Hermes,
Der Fußgeflügelte der Götter bin! Ab.
SOSIAS: Daß du für immer unbesungen mich
Gelassen hättst! Mein
Lebtag sah ich noch
Solch einen Teufelskerl, mit Prügeln, nicht.
ERSTER
FELDHERR:
Fürwahr! Solch ein Triumph -
ZWEITER FELDHERR: So vieler Ruhm
-
ERSTER OBERSTER:
Du siehst durchdrungen uns -
AMPHITRYON: Alkmene!
ALKMENE: Ach!